Griechenland - Brezinschek: Bis zur Zahlungsunfähigkeit dauert es

Wien/Athen (APA) - In der Griechenland-Schuldenkrise kommt der Europäischen Zentralbank laut Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek nun ei...

Wien/Athen (APA) - In der Griechenland-Schuldenkrise kommt der Europäischen Zentralbank laut Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek nun eine Schlüsselrolle zu. Wenn die EZB ihre Liquiditätshilfe für die griechischen Banken stoppe, dann werde Griechenland zahlungsunfähig und müsste eine Parallelwährung einführen, um Löhne und Gehälter zahlen zu können, sagte Brezinschek am Sonntag in der ORF-Sendung „Im Zentrum“.

So eine griechische Parallelwährung würde zwar rasch an Wert verlieren, aber „bis zur Zahlungsunfähigkeit Griechenlands dauert es noch einige Zeit“. Die Nichtbezahlung des IWF-Kredits am 30. Juni wäre wahrscheinlich noch nicht ein technisches Signal dafür. „Ich glaube, viel wichtiger wird der 20. Juli, wenn die Anleihe der EZB fällig wird“, sagte Brezinschek. 3,6 Mrd. Euro müsse Griechenland dann zurückzahlen.

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde nach Ansicht des früheren IHS-Chefs Christian Keuschnigg von der Universität St. Gallen zu einer „humanitären Katastrophe“ führen. „Dann muss die Regierung schlagartig alle Verbindlichkeiten, Forderungen, alle Guthaben in Drachmen umwandeln und dann wird es um 50 Prozent abwerten“, sagte Keuschnigg. Das wäre zwar ein „Ende mit Schrecken, aber nach ein, zwei Jahren ist der Aufstieg schneller da“ als bei einem Verbleib in der Eurozone mit Strukturreformen über einen längeren Zeitraum.

Giorgos Chondros von der griechischen Regierungspartei Syriza machte vor allem die Sparvorgaben der Geldgeber Griechenlands für die Verschlechterung der Schuldensituation verantwortlich. „Griechenland hat zwischen 2010 und 2014 alle Verträge eingehalten, auch bis heute. Bis heute hat Griechenland alle Tranchen pünktlich und in vollem Ausmaß zurückbezahlt“, sagte Chondros. Die „Therapie“ der Gläubiger habe jedoch dazu geführt, dass die Staatsverschuldung von 120 auf 180 Prozent des BIP gestiegen sei, weil die Wirtschaftsleistung dramatisch gesunken sei.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Kapitalverkehrskontrollen zur Verhinderung weiterer Kapitalflucht aus dem Land lehnte Chondros ab, denn sie würde die Kapitalflucht nur noch beschleunigen.


Kommentieren