Bauernsterben findet nicht statt

Die heuer beginnende neue Periode für landwirtschaftliche Förderungen ließ durch diverse Änderungen befürchten, dass viele Betriebe ihre Stalltüre schließen. Nun gibt’s Entwarnung der Bezirkskammer.

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Von Hubert Daum

Imst –Die Prognosen eines Bauernsterbens sind nicht neu. Diesmal aber, zu Beginn der neuen sechsjährigen Förderperiode, die gravierende Änderungen im System beinhaltet, waren die Befürchtungen berechtigter denn je. 85 Prozent der Bauern arbeiten im Nebenerwerb. Ein Hauptindiz für die Weiterführung des Betriebes ist die Stellung des Förderantrages (Mehrfachantrag), der den Bewirtschafter quasi auf weitere sechs Jahre bindet. Die Abwicklung dieses Procedere in der Bezirkskammer ist nun so gut wie abgeschlossen, man darf aufatmen.

„Die Anträge gingen um rund fünf Prozent zurück“, berichtet Martin Kapeller, „das heißt aber nicht, dass fünf Prozent der Betriebe ihre Stalltüre zusperren. Gerade die älteren Bewirtschafter möchten sich oft nicht mehr so lange binden. Die machen halt ohne Förderungen weiter.“ Reichten im letzten Jahr – ein Verlängerungsjahr der alten Periode – noch 1520 Landwirte im Bezirk den Mehrfachantrag ein, so sind es heuer rund 1400. Rudolf Köll, der im März für weitere sechs Jahre zum Kammerobmann gewählt wurde, ergänzt dazu: „Dabei fehlen uns heuer die 40 Anträge der Südtiroler Bauern, die ansonsten ihre Schafe auf Gemeinschaftsalmen im Ötztal auftreiben. In diesem Jahr dürfen sie das aus Veterinärgünden nicht. Die flächendeckende Bewirtschaftung bei uns ist jedenfalls weiterhin gegeben.“

Was den Kämmerern etwas Sorgen bereitet, ist der Rückgang der Viehstückzahl auf den 133 Almen im Bezirk. Köll: „Trotzdem ist die Bestoßung der Almen nach wie vor gut, auch die künftigen finanziellen Zuschüsse passen.“ Er sehe eine zusätzliche Geschäftschance im Erweitern des Angebotes der Almprodukte, die Sennalmen würden boomen. Zum Thema Zukunft der Milchbauern wagt man keine Prognose. Man müsse sich das noch ein Jahr lang anschauen, um die Entwicklung zu sehen.

Wenngleich die Naturschutzflächen sich tendenziell ausdehnen, so gibt’s einen Dämpfer in der Teilnahme am ÖPUL (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft). Martin Kapeller weiß, warum: „Es gibt eine neue Bestimmung, die besagt, dass fünf Prozent der bewirtschafteten Fläche erst ab 1. Juli gemäht werden dürfen. Das ist ein Problem vor allem in den Gunstlagen. Deshalb verzichten mehr Landwirte als früher auf dieses Programm.“

Ob die Steilflächen vor allem im Ötz- oder Pitztal weiterhin in dieser Form gemäht werden, sei ebenfalls offen. „Die Förderungen unter 50 Prozent Neigung wurden gestrichen“, erläutert Köll, der auch zur jüngsten Forderung des Alpenvereines, die Forstwege für die Mountainbiker zu öffnen, als Waldverbandsobmann klar Stellung bezieht: „Erst 2014 wurde das Mountainbikemodell gemeinsam mit allen Interessengruppen überarbeitet. Eine generelle Freigabe der Forstwege brächte viele Nachteile.“


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