Was die Menschen hören wollen sollen

Neil Young und „Promise of the Real“ haben sich zusammengetan, um mit dem Album „The Monsanto Years“ US-Konzernen den Marsch zu blasen.

© Emily Dyan Ibarra

Von Silvana Resch

Innsbruck –Rau, grungig-dreckig kommen die Songs auf „The Monsanto Years“ daher, die Botschaft ist unmissverständlich. Neil Young hat mit der Band Promise of the Real – zu der Willie Nelson’s Söhne Lukas und Micah Nelson zählen – ein Protestalbum aufgenommen. Altersmilde lässt der 69-Jährige darauf keine walten, donnernder Zorn wie eh, zielgerichtet wie nie zuvor. Sein 36. Studioalbum „The Monsanto Years“ ist eine musikalische Kampfansage an den umstrittenen US-Agrokonzern Monsanto. Das global agierende Unternehmen produziert nicht nur Saatgut und Pflanzenschutzmittel, die Biotechnologiefirma kam insbesondere in Europa mit Genmais in die Schlagzeilen – seit 1998 hat Monsanto von der EU eine Zulassung für den Anbau in Europa.

Auch wenn das US-Unternehmen nun in Reaktion auf Youngs Album beteuert, nichts anderes als „die Landwirtschaft nachhaltiger“ zu gestalten im Sinn zu haben, so sieht der „Godfather of Grunge“ dennoch – ebenso wie etwa bei der Kaffeehauskette Starbucks – nichts als Raffgier. Und verbündet sich mit denen, die kämpfen „to keep their land away from the greedy“. Es sei ein schlechter Tag, nichts zu tun, singt Young in der positiv klingenden Eröffnungsnummer „New Day for Love“.

Der Rocklyriker hatte sich zuletzt in seiner Heimat Kanada Feinde gemacht, als er 2014 gegen Fracking und für die Rechte von Indianern auf die Bühne ging. Die Sorge um Mutter Natur treibt den Barden – obwohl einst Atomkraftbefürworter – bereits seit vielen Jahrzehnten um. In den 1970er-Jahren ermahnte er etwa im Song „After the Goldrush“ daran, die Umwelt nicht außer Acht zu lassen: „Look at Mother Nature on the run.“ Viel eindringlicher sein Appell aus dem Jahr 2003: „We got a job to do. We got to save mother earth“, hieß es in „Be the Rain“. Dass er die Kleinstadt­idylle zum Gegenentwurf eines modernen Amerika erhob, genügte manchen Kritikern einst, ihn in eine Reihe mit reaktionären Rednecks zu stellen. Bukolischen Charme versprüht auf dem neuen Album indes auch die folkige Ballade „Wolf Moon“, die nicht zuletzt mit dem dezenten Einsatz von Pedal Steels an das Album „Harvest Moon“ erinnert. Freilich ist diese Idylle längst nicht mehr heil.

Für den mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichneten Navid Kermani ist Neil Young „der Nostalgiker und der Ruhelose unter den Rockmusikern, der jede Veränderung als Verlust besingt, aber den Stillstand fürchtet wie der Teufel das Weihwasser: It’s better to burn out than to fade away“, schrieb Kermani in seinem Essay „Das Buch der von Neil Young Getöteten“, einer Huldigung der Musik des Kanadiers.

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Brennen tut Young auf seinem neuen Album indes für viele Anliegen. Der Rocklyriker, der selbst einige der zärtlichsten Liebeshymnen verfasst hat, beklagt etwa, dass die Menschen gar nichts anderes hören wollen: „People want to hear about Love“, ist die wohl anspruchsvollste Nummer auf dem Album. In dem Song geht es um Korruption, die Verletzung der Bürgerrechte, aber auch um den Zusammenhang von Autismus und Pestiziden. Solch ein Rundumschlag muss schon mit so viel aufrichtigem Gefühl und Wärme wie bei Neil Young daherkommen, dass man dies alles in einem Atemzug hören will.


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