Armut - Der Weg aus dem Tief ist schwierig

Wien (APA) - Die Zahl der armutsgefährdeten Menschen in Österreich ist 2014 leicht zurückgegangen. Die Statistik Austria weist in ihrer aktu...

Wien (APA) - Die Zahl der armutsgefährdeten Menschen in Österreich ist 2014 leicht zurückgegangen. Die Statistik Austria weist in ihrer aktuellen Publikation zu diesem Thema aber darauf hin, dass es schwierig ist, sich aus schlechten Lebensbedingungen zu befreien. Zwei Drittel der insgesamt 1,6 Millionen armutsgefährdeten Personen waren nämlich schon ein Jahr lang oder länger betroffen.

Insgesamt waren 2014 19,2 Prozent der Gesamtbevölkerung armutsgefährdet, lebten in einem Haushalt ohne bzw. mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit oder lebten unter dem europäischen Mindestlebensstandard, was als „erhebliche materielle Deprivation“ definiert wird. Gegenüber 2013 war das etwas weniger (20,6 Prozent, 1,7 Millionen). Allerdings waren zwei Drittel der Betroffenen „bereits ein Jahr zuvor oder länger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet“, so die Statistik Austria. Bei dieser Gruppe drohe die „Verfestigung schlechter Lebensbedingungen“.

Die Statistik Austria wies auch auf die Problematik sogenannter „mehrfach ausgrenzungsgefährdeten“ Menschen hin. 414.000 Personen waren 2014 betroffen und seien vielfach von Sozialleistungen abhängig, die 70 Prozent des Einkommens in solchen Haushalten ausmachen.

Die Definition von Armut folgt seit einiger Zeit einer gesamteuropäischen Strategie, die sich dem Kampf gegen soziale Ausgrenzung verschrieben hat. Drei unterschiedliche Kriterien werden zur Beschreibung herangezogen. Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gelten Personen, die mindestens eines erfüllen.

Zum einen ist da der Begriff „Armutsgefährdung“, worunter ein Nettohaushaltseinkommen unter 1.161 Euro pro Monat (Alleinlebende) plus bestimmte Beträge pro weiterem Kind und Erwachsenen fällt. Eine Familie mit zwei Kindern ist somit armutsgefährdet, wenn sie unter ein monatliches Nettoeinkommen von 2.437 Euro fällt. Eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind ist armutsgefährdet bei einem Haushaltseinkommen unter 1.509 Euro.

Ein weiteres Kriterium zur Erfassung des Lebensstandard ist keine oder nur geringe „Erwerbsintensität“. Und schließlich wurde die sogenannte „erhebliche materielle Deprivation“ definiert. Sie orientiert sich am europäischen Mindestlebensstandard, der folgende Anforderungen erfasst: Begleichen von regelmäßigen Zahlungen, unerwartete Ausgaben bis 1.100 Euro zu schaffen, ausreichend heizen zu können, Fleisch, Fisch oder gleichwertig Vegetarisches jeden zweiten Tag, eine Woche Urlaub pro Jahr, ein Auto, eine Waschmaschine, ein TV-Gerät sowie Telefon oder Handy. Wer vier dieser Punkte nicht erfüllen kann, gilt als „erheblich materiell depriviert“.

~ WEB http://www.statistik.at/ ~ APA260 2015-06-22/12:49


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