Berlusconi schlägt Lega Nord Wahlallianz vor

Der Medienzar denkt an eine Neugründung der Mitte-rechts-Allianz mithilfe der rechtspopulistischen Lega Nord.

Silvio Berlusconi hat noch nicht genug von der Politik.
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Rom - Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi will seiner politischen Karriere neuen Schwung geben. Der Medienzar denkt an eine Neugründung der Mitte-rechts-Allianz mithilfe der rechtspopulistischen Lega Nord, die bei den letzten Regionalwahlen am 31. Mai stark zulegen konnte.

In einem am Montag erschienenen Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ rief Berlusconi Lega Nord-Chef Matteo Salvini zu einem Wahlpakt auf. Ziel sei, alle Parteien aus dem Mitte-rechts-Block zu vereinen, die den Italienern eine Alternative zur Demokratischen Partei (PD) von Premier Matteo Renzi anbieten wollen.

Über diesen Vorschlag will Berlusconi mit Salvini bei einem Treffen in der Luxusresidenz des TV-Unternehmer in Arcore bei Mailand am Dienstag diskutieren. Berlusconi hofft, mit Salvinis Hilfe bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr den Neubeginn zu schaffen.

Während Renzi bei den Regionalwahlen am 31. Mai einen Dämpfer hinnehmen musste und Berlusconis Forza Italia nur knapp ein Wahldebakel vermeiden konnte, rückt Salvini zur neuen Führungsfigur der italienischen Rechten auf. Mit einem Wahlergebnis von mehr als zwölf Prozent überrundete die Lega erstmals Berlusconis Forza Italia. Die Lega, die gegen Ausländer und gegen Brüssel Stimmung macht, trat bei den Regionalwahlen erstmals auch im Süden an.

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Die sezessionistischen Slogans von Parteigründer Umberto Bossi sind längst vergessen. In der traditionell linken Hochburg Toskana, der Heimatregion Renzis, schaffte es die Lega auf 16 Prozent: Ein Resultat, das für die Lega Nord bis vor wenigen Monaten noch als undenkbar galt.

Die Renaissance der Lega Nord, die 2012 nach einem Skandal um veruntreute Parteigelder und der Rücktritt von Gründer Umberto Bossi, totgesagt worden war, ist dem jungen Salvini zuzuschreiben. Für Berlusconi erwächst mit ihm erstmals seit seinem Einstieg in die politische Arena vor über zwei Jahrzehnten eine starke Konkurrenz von rechts. Berlusconi will sich daher Salvinis Unterstützung sichern, statt den jungen Lega-Chef als Rivalen zu haben. Ungewiss ist jedoch, ob sich dieser mit der Rolle von Berlusconis Wahlhelfer begnügen will. Politischen Beobachtern zufolge ist Salvinis Ziel, den politisch dahinsiechenden 78-jährigen Berlusconi als Chef der italienischen Rechten abzulösen. (APA)


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