Indonesien will auf Frankfurter Buchmesse „heiße Eisen“ anpacken

Frankfurt am Main (APA/dpa) - Indonesien will sich als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (13. bis 18. Oktober) auch seiner politischen Ver...

Frankfurt am Main (APA/dpa) - Indonesien will sich als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (13. bis 18. Oktober) auch seiner politischen Vergangenheit stellen. Vor allem jüngere Autorinnen beschäftigen sich in ihren neuen Romanen mit dem Militärputsch vor 50 Jahren und den anschließenden Massakern, wie die Organisatoren des Auftritts am Dienstag in Frankfurt ankündigten.

Insgesamt wird der Inselstaat mit mehr als 60 Autoren in Frankfurt und anderen deutschen Städten vertreten sein. Sie sollen die ganze literarische Bandbreite repräsentieren, vom Comic bis zum Kinder- und Reisebuch. Die etwa 200 Völker Indonesiens verständigen sich in der Amtssprache Bahasa Indonesia, die auf dem Malaiischen basiert.

Das überwiegend muslimische Indonesien gehört mit 250 Millionen Einwohnern zu den vier bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. In diesem Jahr jährt sich zum 50. Mal der Militärputsch von General Suharto, dem 1965/1966 nach Schätzungen bis zu einer Million Kommunisten, Gewerkschafter und Minderheiten zum Opfer fielen. 1998 ist Indonesien zur Demokratie zurückgekehrt.

1965 sei kein Tabu mehr in der Literatur, sagte der Dichter und Essayist Goenawan Mohamad, der zu den einflussreichsten Intellektuellen seines Landes zählt. Der „literarische Frühling“ nach 1998 habe vor allem Frauen ermutigt, über Themen wie Sexualität oder politische Gewalt offen zu schreiben.

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Dazu zählen die vier Autorinnen Ayu Utami, Laksmi Pamuntjak, Leila Chudori und Linda Christanty, von denen zur Buchmesse Werke auf Deutsch erscheinen. Indonesien will sich auch auf der Messe dem Thema Toleranz und Islam widmen. Der indonesische Islam gilt als liberal. „Es gibt aber einen wachsenden konservativen Trend“, stellt Mohamad fest.

Das Land will außerdem im Herbst in einem Begleitprogramm sein architektonisches Erbe, seine Kunst und Küche vorstellen. Buchmesse-Direktor Juergen Boos verwies darauf, dass Indonesien mit seiner sehr jungen Bevölkerung einer der großen Wachstumsmärkte für die Buchbranche sei.

(S E R V I C E - Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse: http://www.buchmesse.de/de/ehrengast)


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