Klimts „Bildnis Gertrud Loew“ 2 - „Ein tolles Ergebnis“

Wien/London (APA) - „Es ist ein tolles Ergebnis - für die Stiftung, für die Familie Felsövany, aber auch für Klimt.“ So kommentierte am Mitt...

Wien/London (APA) - „Es ist ein tolles Ergebnis - für die Stiftung, für die Familie Felsövany, aber auch für Klimt.“ So kommentierte am Mittwochabend Peter Weinhäupl, Vorsitzender der Klimt-Foundation, gegenüber der APA das Resultat der Versteigerung des „Bildnis Gertrud Loew“, die er von Wien aus verfolgt hatte und die erst bei einem Zuschlag von 22 Mio. Pfund zu Ende kam.

Das Bietergefecht hielt das Publikum im Versteigerungssaal des Auktionshauses Sotheby‘s in London fast eine Viertelstunde lang in Atem. Der Wert des 1902 gemalten Gemäldes war auf 12 bis 18 Mio. Pfund geschätzt worden. Ausrufpreis waren neun Mio. Pfund. Nach einem sehr langsamen, zögerlichen Einstieg, bei dem schon befürchtet werden musste, dass das Bild liegen bleiben würde, wechselte das Damen-Porträt in der Folge mehrere Dutzend Mal den Besitzer. Die zögerlichen Ansteigerungen um jeweils 100.000 Pfund wurden vom Auktionator, der zu mehr Mut aufforderte („Was sind schon 14 Millionen unter Freunden?“) oder daran erinnerte, dass ein Großteil des Publikums bereits bald zum Dinner verabredet sei, immer wieder launig kommentiert. Am Ende schlug er das Bild bei 22 Mio. Euro zu, ein Verkaufspreis von 24,8 Mio. Pfund (34,7 Mio. Euro).

„Bei Klimt ist alles möglich“, meinte Weinhäupl danach. „Ich bin nicht nur für uns, sondern auch für die Familie Felsövany froh.“ Die Stiftung hat sich mit den Erben der Vorbesitzer auf eine „just and fair solution“ im Sinne der Washington Principles 1998 geeinigt, und verabredet, den Erlös zu gleichen Teilen aufzuteilen. „Nutznießer der Lösung sind beide Seiten, die Familie Felsövany, die späte Gerechtigkeit erfahren hat, und die Klimt-Foundation, die im Sinne der Gemeinnützigkeit ihre Beiträge zur Forschung Wien 1900 und der Förderung von Projekten diesbezüglich zielstrebig weiterverfolgen kann, möglicherweise auch in Form eines Know how-Transfers in Sachen ‚Umgang von Privaten‘ mit dem Thema Provenienz von Kunstwerken.“ Man habe es heute „oftmals schon mit der nächsten oder übernächsten Generation von Sammlungsbesitzern zu tun, die weit weg jeglicher Entzugshandlungen stehen, aber für eine Lösung durchwegs offen wären“.

Weinhäupl kann sich vorstellen, dass die Klimt-Foundation um einen Teil des Erlöses wieder in Kunst investiert. Auszuschließen sei jedoch, dass damit jene fünf Klimt-Zeichnungen angekauft würden, die an die Felsövanyi-Erben zurückgegeben wurden.

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Unmittelbar nach dem Klimt-Bild wurde in London ein Gemälde aus der umstrittenen Sammlung von Cornelius Gurlitt versteigert. „Zwei Reiter am Strand“ des Impressionisten Max Liebermann war im Mai an den 90-jährigen Erben des einstigen jüdischen Besitzers zurückgegeben worden. Das auf 350.000 bis 550.000 Pfund geschätzte Gemälde wurde schließlich um 1,865 Mio. Pfund (2,6 Mio. Euro) verkauft.


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