Österreichische Forscher und UNESCO starten globale Fluss-Initiative

Wien (APA) - Auf der ganzen Welt sind Flüsse Lebensadern, Quelle von Artenreichtum, Energiespender und Erholungsgebiete. Durch menschliche E...

Wien (APA) - Auf der ganzen Welt sind Flüsse Lebensadern, Quelle von Artenreichtum, Energiespender und Erholungsgebiete. Durch menschliche Eingriffe und Übernutzung sind diese Qualitäten derzeit aber bedroht. Österreichische Wissenschafter starteten deshalb mithilfe der UNESCO eine Initiative, um den Zustand der großen Flüsse weltweit zu erfassen und ein nachhaltiges globales Fluss-Management zu ermöglichen.

Beim ersten offiziellen Treffen der „World‘s Large River Initiative“ an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien machen internationale Wissenschafter am Donnerstag und Freitag „Nägel mit Köpfen“ - etwa wie man weltweit eine gemeinsame Methodik entwickeln kann und welche Flüsse zuerst inspiziert werden, erklärte Helmut Habersack vom Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau der Boku im Gespräch mit der APA. Das zunächst wichtigste Vorhaben der Initiative sei, erstmals einen globalen Überblick über den Zustand der großen Flüsse zu bekommen.

Insgesamt wollen die Forscher 300 große Flüsse untersuchen. Was diese ausmacht, ist unterschiedlich: Etwa 30 bis 40 Flüsse würden mit einem großen Einzugsgebiet, Durchfluss oder der Länge punkten, die Donau liege hier an Stelle 29, so Habersack. Andererseits zähle auch die Bedeutung für die Region. Die Themse ist im globalen Vergleich zwar klein, hat aber für die Weltstadt London eine immense Bedeutung. „Es kommen auch Vertreter kleiner Staaten zu uns, wie aus Costa Rica, die gar keine großen Flüsse haben, dafür aber welche, die als Lebensadern von großer Bedeutung sind“, sagte er. Größe könne man in dieser Hinsicht auch in Bezug auf den Einfluss auf die Wirtschaft, Geschichte, das Trinkwasser oder Gefahren auslegen.

Beginnen werden die Wissenschafter mit zunächst zehn großen Flüssen. „Es soll eine gemeinsame globale Methodik gefunden werden, die einfach und auch für Laien verständlich ist“, sagte Habersack. Man wolle etwa darstellen, wie sich ein Fluss im Verlauf der vergangenen 100 Jahre verändert hat und die Entwicklung in der nahen Zukunft abschätzen.

Für die „Gesundheit“ der Flüsse sei es wichtig, durch wissenschaftlich fundierte Maßnahmen den Spagat zwischen den oft auseinanderklaffenden ökologischen und wirtschaftlichen Interessen zu schaffen. In Österreich und dem Donauraum habe man damit schon sehr viele Erfahrungen gemacht, doch gebe es kaum internationalen Austausch zwischen den Wissenschaftern verschiedener Disziplinen, die solche Probleme etwa beim Jangtsekiang, dem Amazonas, dem Rhein oder eben bei der Donau untersuchen.

Ein dringliches Problem sei etwa, dass sich die Stauräume der Kraftwerke unaufhörlich mit Sedimenten füllen. „Laut UN-Berechnungen werden sie in den Jahren 2030 bis 2080 zu 80 Prozent verlandet sein“, erklärte Habersack. Dadurch würde dort nicht nur die Stromerzeugung zum Stillstand kommen, sondern auch die Hochwassergefahr steigen, die Staumauern wären nicht auf den Erddruck ausgelegt und in vielen Teilen der Welt Trinkwasserstauräume zu klein. Stromabwärts der Staumauern hingegen hätte man ökologische Probleme, weil sich der Fluss eintieft.

Hier haben sowohl die Kraftwerksbetreiber als auch die Umweltschützer gemeinsame Interessen. „Wenn sie gegeneinander arbeiten, verliert einer immer“, meinte Habersack.

Auch für die einzelnen Forschungsbereiche rund um Fließgewässer biete die Initiative erstmals eine gemeinsame Plattform. Man sollte einen Fluss als ganzes betrachten: Bisher wurde aber eher abgeschottet und separat etwa über den Durchfluss, die Flusshydraulik, die Schifffahrt, Wasserkraftwerke oder ökologische Fragestellungen geforscht und konferiert.

Bewegung in die Sache kam, als Habersack und seine Kollegen 2011 die erste „World‘s Large Rivers Conference“ in Wien organisierten. „Der Andrang war überraschenderweise riesig, es kamen über 450 Teilnehmer aus 73 Ländern“, erklärte er. In einer Abendsitzung verabschiedete man damals die „Vienna Declaration“, dass der Status und die Zukunft der großen Flüsse weltweit erforscht und verbessert werden soll.

Mit einem UNESCO-Lehrstuhl für „Integrated River Research and Management“ im Rücken leitet Habersack die World‘s Large River Initiative nun als „österreichische Initiative, die aber international von allen getragen wird“, wie er sagte. „Die Initiative wurde von den Staaten einstimmig beschlossen, die Konferenz in Wien versammelt Experten und Expertinnen aus allen Regionen der Welt - dabei hat uns das Außenministerium und die österreichische UNESCO-Vertretung in Paris wesentlich unterstützt“, so Habersack. Auch wenn politische Interessen die Sache nicht gerade leichter machen - denn bei grenzüberschreitenden Flüssen gebe es häufig unterschiedliche Interessen zwischen Ober- und Unterlieger.

(S E R V I C E - http://worldslargerivers.boku.ac.at/wlr/; http://unesco-chair.boku.ac.at/)

~ WEB http://www.unesco.org/new/en/ ~ APA135 2015-06-25/10:18


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