Gute Aussichten: Die Zeichen stehen in Tirol auf Sommer

Der morgigen Siebenschläfertag soll uns den Sommer weisen – und der wird demnach wechselhaft. Doch Meteorologen machen Hoffnung: Die kommenden Monate könnten warm und trocken werden.

An den Tiroler Seen wird am Samstag wohl wieder Hochbetrieb herrschen.
© Thomas Böhm

Innsbruck — Und jährlich grüßt das Murmeltier. Siebenschläfertag. Schon wieder. Will uns morgen das Sommerwetter weisen. Und ausgerechnet da wird es natürlich wieder unbeständig. Wechselhaft. Mit Sonnenschein, aber auch Regen. Kein Grund, sich aufzuregen. Denn ganz so genau sollte man es mit den Bauernregeln eh nicht nehmen, sagen Meteorologen. Und versprechen uns — wenn die Modelle so bleiben — einen Sommer, der warm und trocken wird.

„Schaut man sich nicht den einzelnen Tag, sondern den Zeitraum Ende Juni und Anfang Juli an, und ändert sich die Großwetterlage in diesem Zeitraum, dann bestehen gute Chancen, dass diese neue Großwetterlage einige Wochen erhalten bleibt“, sagt RTL-Wetterchef Christian Häckl. Sprich wenn alles so bleibt, erwartet Tirol ein warmer, sonniger, trockener Juli. Ähnlich sehen es auch die Kollegen. Wobei Clemens Teutsch von Ubimet anmerkt: „Man muss wissen, dass dieser Tag (Anm. Gedenktag an die sieben Schläfer/Märtyrer von Ephesus — er hat nichts mit dem Nagetier zu tun) durch eine Kalenderreform erst auf den 27. Juni vorgeschoben wurde, und eigentlich am 7. Juli stattfindet.“ Ein Körnchen Wahrheit sei in den alten Bauernregeln oder so genannten Lostagen immer zu finden.

Der Wunsch nach langfristigen Wetterplanungen ist ungebrochen. Das merken auch die Meteorologen, die gerade rund um diesen Tag häufig diesbezüglich angesprochen werden. Teutsch: „Das Verlangen nach Langfristprognosen ist nach wie vor sehr groß. Sie haben sich in den letzten Jahren auch laufend verbessert, es wird aber lediglich berechnet, ob ein Monat wärmer/kälter und nasser/trockener als im Mittel ist.“ Gerade in einem gebirgigen Land wie Tirol seien aber selbst solche Langfristprognosen mit Vorsicht zu genießen.

Im Vorjahr und 2010 — da bestimmte der Siebenschläfertag so ziemlich exakt das nachfolgende Wetter. Eine ähnlich verregnete Quote zeigt die Statistik. Wenn es in den vergangenen Jahren am Sieberschläfertag regnete, dann brachte das nur in 25 Prozent aller Fälle auch einen Sommer mit überdurchschnittlich vielen Regentagen.

In der Regel schlechte Aussichten

Der Großteil der Bauernregeln, so sagt Thomas Wostal von der Zentralanstalt für Meteorologie, „funktioniert schlecht“. Nicht, dass die Vorfahren schlecht beobachtet hätten. Nur: „Bei vielen Regeln weiß man heute gar nicht mehr, in welcher Region und auf welcher Seehöhe sie entstanden sind. Vielleicht ist eine Regel, die in Tirol schlecht funktioniert, im Engadin oder an der Nordsee gut“, sagt der Meteorologe. Wostal hat gemeinsam mit Roland Potzmann (ZAMG) für das Buch „Mythos Bauernregeln“ 100 Bauernregeln für Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien mit den Daten der letzten 50 Jahre getestet. Das Ergebnis: Schlechte Trefferquoten (also unter 50 Prozent) haben Bauernregeln, die von einem bestimmten Tag oder Monat weit in die Zukunft vorhersagen.

Jene für den 13. Juni (siehe unten) hat dabei nur eine Trefferquote in Innsbruck von 31 Prozent. Ein anderes Beispiel: „Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut.“ Diese traf in Innsbruck nur in 46 Prozent der Fälle zu. Gut würden dagegen Regeln funktionieren, die von der Beibehaltung einer Wetterlage ausgehen. Jene für den 21. September (Matthäus) hat eine Trefferquote bis zu 78 Prozent.

Als Meteorologe werde man ständig auf die Bauernregeln angesprochen, sagt Wostal. „Das war auch der Grund, warum ich damals das Buch machte. Weil bis dahin niemand sagen konnte, sind diese Regeln gut, schlecht oder mittel.“ Außerdem wären die Lostage ein sehr guter Aufhänger für die Vermittlung der Prognose, da etwa Eisheilige und auch Schafskälte sofort eine klare Assoziation bei den Menschen auslösen würden. Man dürfe zudem nicht vergessen, dass selbst die Regeln mit der besten Trefferquote nicht an die mathematisch-physikalischen Vorhersagemodelle (zu 90 Prozent) der Meteorologie herankommen.

Miese Trefferquote

"Wenn am St. Anton (13. Juni) gut Wetter lacht, St. Peter viel Wasser macht!"

Zu Peter und Paul

"Schön zu St. Paul, füllt Tasche und Maul. Peter und Paul klar, bringt ein gutes Jahr."

Siebenschläfer

"Wie`s Wetter am Siebenschläfertag, so bleibt es sieben Wochen danach."

Treffsichere Regel

"Wie es Matthäus (21. September) treibt, es noch vier Wochen lang dann bleibt."

Wetterexperten

Thomas Wostal (ZAMG): Man sollte nicht vergessen, dass zum Beispiel „ein schöner Mai“ in der Landwirtschaft eher „normale Temperatur und regelmäßig Regen“ bedeutet, in unserer Freizeitgesellschaft aber „sonnig, trocken und warm“. Da gibt es natürlich bei der meteorologischen Überprüfung einen großen Spielraum.

Andreas Jäger (ServusTV): Der Siebenschläfertag ist eine der besten Wetterregeln überhaupt, mit rund 60 Prozent Erfolgsquote. Bei der Aussagekraft ist entscheidend, dass man den Zeitraum rund um die Woche danach betrachtet. Auch wenn es am Samstag wechselhaft wird, dann stellt sich nächste Woche die Wärme ein und das ist ja eigentlich das Sommerwetter, das wir wollen.

Clemens Teutsch (Ubimet): Wie bei den meisten Bauernregeln und Lostagen steckt auch in der Siebenschläfer-Regel zumindest ein Körnchen Wahrheit. Man muss jedoch ins Detail gehen, um diese ans Licht zu führen. Nach aktuellem Stand erwarten uns zwei durchschnittliche bis zu warme Monate, die auch zu trocken sind.

Christian Häckl (RTL-Wetterchef): Der Siebenschläfertag ist interessant, um zu spekulieren. Jeder will wissen, wie der Sommer wird. Zudem gibt es einen halbwegs seriösen Hintergrund. In diesem Jahr könnte es ein Klassiker werden. Wenn die Wetterlage so bleibt, wie es die Modelle voraussagen, dann kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einem deutlich zu warmen Juli in Tirol ausgehen.


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