Helga Rabl-Stadler 2: Ich bin kein Fan von einem Festspielball

Salzburg (APA) - APA: Sie bilden heuer gemeinsam mit Sven-Eric Bechtolf ein zweiköpfiges Direktorium. Was ist dadurch anders als in den bish...

Salzburg (APA) - APA: Sie bilden heuer gemeinsam mit Sven-Eric Bechtolf ein zweiköpfiges Direktorium. Was ist dadurch anders als in den bisherigen Jahren Ihrer Präsidentschaft?

Rabl-Stadler: Am meisten hat sich für mich eigentlich 2011 geändert. Seit damals gibt es ein zweiköpfiges Direktorium, Markus Hinterhäuser wurde Intendant, und ich übernahm zusätzlich zur Präsidentschaft die kaufmännischen Agenden. Jetzt hat sich für mich wenig geändert. Der Vorteil ist, wenn man mit einem Freund zusammenarbeitet wie Bechtolf - und ich freue mich auch schon auf die Zeit mit Hinterhäuser - ist es leichter, immer wieder auftretende Differenzen gemeinsam zu bewältigen. Wir machen beide das, was wir am besten können, das heißt: er das Künstlerische und ich das Kaufmännische.

APA: Es gibt also eine ganz klare Aufgabentrennung?

Rabl-Stadler: Nein, laut Festspielgesetz 1950 ist das Direktorium für Programm und Budget verantwortlich. Und dieses Gesetz wurde mal mehr, mal weniger gelebt. Derzeit wird es gelebt.

APA: Wie stark ist Ihr Beitrag im künstlerischen Bereich?

Rabl-Stadler: Ich gebe meine Meinung ab, aber die Vorschläge macht Sven.

APA: Wäre das auch ein Modell für die Zukunft mit Markus Hinterhäuser?

Rabl-Stadler: Ich glaube, wir werden das so weiterleben.

APA: Ab 2015/16 gibt es mehr Subventionen. Verringert das den finanziellen Druck?

Rabl-Stadler: Selbstverständlich. Ich bin der Politik sehr dankbar, aber eigentlich sind wir ein Riesengeschäft für die Politik. Wir zahlen nämlich im selben Jahr schon mehr an Abgaben und Steuern zurück, als wir bekommen. Ich mag daher den Ausdruck Subventionen nicht. In Wahrheit gibt uns die öffentliche Hand einen Überbrückungskredit, den wir mit Wucherzinsen zurückzahlen. Die einzige Lösung für alle Kunstinstitutionen ist aber die Valorisierung, damit wir die Gehaltserhöhungen auffangen können. Spätestens 2018 brauchen wir wieder mehr. Das ist quasi ein Naturgesetz in einem Betrieb mit einem Anteil von 80 Prozent Personalkosten am Budget.

APA: Der Weiterverkauf von vier Opern an die Scala hat damals viel Staub aufgewirbelt? Wie beurteilen Sie ihn heute, hat er sich bewährt?

Rabl-Stadler: Ja, sehr. Wir haben das Geld, und die Scala hat zu einem guten Preis Produktionen bekommen. Es war für Pereira und mich eine seltsame Situation: Ihm hat man in Mailand vorgeworfen, das Budget der Festspiele zu sanieren, mir in Salzburg, dass wir zu billig verkauft hätten. In Wahrheit war es eine Win-win-Situation für beide Häuser, weil der Weiterverkauf von Opern gar nicht leicht ist.

APA: Pereiras Festspielball wird es heuer nicht mehr geben. Wie stehen Sie dazu?

Rabl-Stadler: Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht: Ich bin kein Fan von einem Festspielball, weil durch ihn die Felsenreitschule eine Woche lang als Spielstätte blockiert wird. Unsere Kernaufgabe ist es, Kunst zu machen, und nicht, Bälle zu veranstalten. Aber wir haben heuer für Placido Domingo, der sein 40-Jahre-Jubiläum feiert, ein Fest in der Residenz geplant, quasi ein Dancing-Dinner.

APA: Auch das Young Directors Project gibt es nicht mehr. Wie sehr bedauern Sie diesen Wegfall?

Rabl-Stadler: Jeder Wegfall schmerzt. Das war ein typisches Projekt, das man sich nur über einen Sponsor leistet. Aber die Journalistik weint hier Krokodilstränen, denn solange wir dieses Programm hatten, wurde es ziemlich zerzaust.

APA: Wie schaffen Sie es, gleichzeitig auch schon die Zeit mit Hinterhäuser zu planen?

Rabl-Stadler: Ich war es immer gewöhnt, sehr viele Sachen nebeneinander zu machen. Und ich bin ein diskreter Mensch. Mit Sven bespreche ich unsere zwei Jahre, mit Markus unser erstes Jahr. Ich genieße es, dass ich am Ende meiner Berufslaufbahn mit zwei Freunden zusammenarbeiten darf: mit Sven und Markus.

APA: Sie sind nun schon das 21. Jahr Präsidentin. Ihr Vertrag endet nach den Festspielen 2017. Die obligate Frage zum Schluss: Wird es noch eine Verlängerung geben?

Rabl-Stadler: Ich wage keinen Kommentar mehr. Bisher habe ich immer aus voller Überzeugung gesagt, ich verlängere nicht, und bin dann doch aus guten Gründen geblieben. Aber ich glaube, es wäre ein sehr schöner Abschluss für mich, Markus noch beim Start in sein erstes Jahr zu helfen.

(Das Gespräch führte Bernhard Niederhauser/APA)

(B I L D A V I S O - Bilder von Helga Rabl-Stadler sind im AOM abrufbar.)


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