Entgeltliche Einschaltung

Muren-Unglück vor 50 Jahren: „Ältere Bewohner noch heute traumatisiert“

Pettneu gedenkt der dramatischen Mure, die vor 50 Jahren die Siedlung verwüstete. Nächste Woche entstehen Skulpturen im Kunstraum-Garten.

  • Artikel
Viele Bewohner am Murenkegel mussten damals evakuiert werden.
© Gemeinde Pettneu

Von Helmut Wenzel

Entgeltliche Einschaltung

Pettneu –„Trotz heiteren Himmels und Sonnenschein bahnt sich eine unheilvolle Katastrophe über unserem Dorf an“, berichtet der frühere Pettneuer Chronist Hermann Tschiderer zur größten Mure des Jahres 1965 im Tiroler Oberland. „Gegen 8 Uhr beobachten Dorfbewohner oberhalb der höchsten Wildbachsperre am Gridlon-Tobel ein Anbrechen des Hanges.“

Luftbild von der Gridlon-Mure in Pettneu vom 29. Juni 1965.
© Gemeinde Pettneu

Es war der 29. Juni, Peter und Paul. „Der Gridlonbach gräbt sich unter den Lawinenschnee, ohne jedoch am anderen Ende wieder hinauszufließen. Der Bach staut sich“, schildert der Chronist, „und plötzlich stürzt die angestaute Masse talwärts.“ Im Dorf heulen die Sirenen auf. „Der Murbach sucht sich seinen uralten Lauf.“

Die große Katastrophe beginnt gegen 22.30 Uhr, als die Mure mit voller Wucht ausbricht. Schneeblöcke vermischen sich mit Schlamm und Geröll. Die Helfer müssen den Naturgewalten weichen, Bewohner werden mitten in der Nacht evakuiert. Die Mure dauert unglaubliche zehn Tage, wie Emil Leys, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, damals festhielt. „Baumstämme wurden wie Zündhölzer geknickt, bis zu 50 Tonnen schwere Steine wurden bei 18 Prozent Gefälle transportiert“, so Leys. Und: „Großkatastrophen können auch in Zukunft nicht verlässlich vorausgesagt werden.“

50 Jahre nach der Gridlon-Mure hat die Gemeinde ein „Erinnerungsprogramm“ für dieses Wochenende vorbereitet. „Wichtig ist, dass auch die jungen Leute wissen, was passiert ist“, betont Kunstraum-Obmann Kurt Tschiderer. „Viele unserer älteren Bewohner sind heute noch traumatisiert.“ Trotz aller Schrecken habe die Mure auch Positives bewirkt – Zusammenhalt und Nachbarschaftshilfe im Dorf seien gestärkt worden.

Kurt Tschiderer, Sandra Brugger und Manfred Hellweger (v. l.) haben im Kunstraum-Garten das 2. Pettneuer Bildhauersymposium vorbereitet. Dieses ist Teil der Erinnerungsarbeit anlässlich der Mure 1965.
© Wenzel

Unter dem Motto „Aus heiterem Himmel“ (die Mure kam 1965 ebenfalls aus heiterem Himmel) beginnt am Montag das 2. Pettneuer Bildhauersymposium. Zu Gast sind die Künstler Sandra Brugger, Manfred Hellweger, Gabriel Rauchegger und Werner Pirker, die Skulpturen aus Ahornstämmen der Sebastian-Allee formen. Arbeiten des Quartetts sind ab Montag im Kunstraum ausgestellt.


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung