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Flug in die Freiheit für Steinadler Toni

Nach drei Monaten Pflege wurde ein junger Adler freigelassen. Das Tier hatte sich an einer Bleikugel vergiftet – Ischgler retteten ihm das Leben.

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© Matthias Reichle

Von Matthias Reichle

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Galtür –Fast eine Minute verharrte der junge Steinadler regungslos in der geöffneten Transportkiste und beobachtete die Fotografen. Stundenlang war er zuvor in seinem dunklen Käfig eingesperrt gewesen, hatte das Brausen der Autobahn, das Brummen des Motors, das Holpern am Weg hinauf zur Jamtalhütte gespürt, gehört, aber nicht begriffen. Verärgert hatte er mehrfach versucht aufzufliegen, als ihn ein Bergretter – die Box an eine Kraxe geschnallt – vorsichtig die letzten Meter auf einem schmalen, steinigen Pfad den Berg hinauftrug.

Mit einem Ruck öffnete sich dort die Tür – und da lauerten sie nun mit ihren schweren Kameras, gespannt, wann der König der Lüfte endlich abheben würde. Ein schwacher Aufwind blies Adler und Zuschauer um Nasen und Schnabel. Der Himmel war fast wolkenlos – perfektes Flugwetter.

Ein letzter scharfer Blick und mit einem einzigen Satz befreite sich der Greifvogel aus dem engen Verlies, breitete die Flügel aus und spürte nach fast drei Monaten Gefangenschaft endlich wieder den Wind unter seinen Schwingen, während er über die Köpfe der begeisterten Zuschauer hinweg auf die gegenüberliegende Talseite segelte. Im Schatten eines Felsens ließ er sich nieder, um erst einmal zu rasten. So einfach der Flug in die Freiheit war, so mühevoll war der Weg dorthin.

Die Klauen des Todes hatten das vierjährige Steinadlermännchen in den letzten Monaten nämlich fest im Griff. Das Tier, das Anfang April in Ischgl gefunden worden war, litt unter einer tödlichen Bleivergiftung und verdankt sein Leben seinen Ischgler Findern, die ihn 50 Meter hinter den Häusern aufgelesen hatten. Gelähmt wäre es dort zugrunde gegangen. Zu Ehren von Lebensretter Toni Prinoth wurde dem Vogel gestern der Namen Toni gegeben, bevor ihn Mathias Premm vom Greifvogelpark Telfes und Tierärztin Tanja Meister, die für die Pflege verantwortlich waren, mit Landesjägermeister Anton Larcher und seinem Stellvertreter Ernst Rudigier in die Freiheit entließen.

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Vergiftet hatte sich Toni vermutlich an einer Gewehrkugel. Bleifragmente bleiben zum Beispiel in den Innereien von erlegten Tieren zurück, die Jäger liegenlassen, erklärte Rudigier. „Der Adler ist inzwischen nahezu bleifrei“, beruhigt Premm. Da er noch jung ist, wird er nicht im Jamtal bleiben. Dort gibt es bereits ein Adlerpärchen.

Der Steinadler fliegt in die Freiheit.
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