Nach Amokfahrt: Stadt bereitet sich auf kollektive Trauer vor

Graz (APA) - Die steirische Landeshauptstadt am Sonntag: Eine Woche und einen Tag nach der Amokfahrt eines 26-Jährigen in der Innenstadt ber...

Graz (APA) - Die steirische Landeshauptstadt am Sonntag: Eine Woche und einen Tag nach der Amokfahrt eines 26-Jährigen in der Innenstadt bereitet sich Graz auf die offizielle, kollektive Trauerfeier vor. Straßen um die Marschstrecke sind von Fahrzeugen weitgehend geräumt, vor dem „Kircheneck“ bei der Stadtpfarrkirche in der Herrengasse wird ein Podest mit Klavier aufgebaut. Weiterhin bringen Menschen Kerzen.

Es könnte ein normaler Frühsommersonntag in der City sein. Cafes und Schanigärten haben geöffnet, Touristengruppen und Einheimische flanieren durch die Herrengasse. Und doch ist am achten Tag nach der Amokfahrt, die drei Tote und 36 zum Teil Schwerstverletzte gefordert hat, alles anders. Als die Glocken der Stadtpfarrkirche zu Mittag läuten, wissen viele: Voriges Wochenende um diese Zeit war es noch eine halbe Stunde, da die kleine Grazer Welt in Ordnung schien. Einige Passanten bleiben stehen, andere senken den Kopf, Touristen fragen zögernd, was das zu bedeuten habe und ob es mit ... „der Amokfahrt“ zu tun habe.

Es ist ja nicht zu übersehen: Auch die Graz City Lights, die leuchtenden Litfasssäulen, die üblicherweise bunte Werbung drehend unter die Leute bringen, haben am Joanneumring auf Schwarz geschaltet: „Graz trauert“ steht da zu lesen, in kleiner weißer Schrift auf schwarzem Grund, und der Ablauf des Trauermarsches und des Gedenkaktes am Hauptplatz. Das Zeughaus, das Museum mit der großen Waffensammlung in der Herrengasse schließt um 14.00 Uhr, kündet es von Plakaten. Auch der Altstadtrundgang für Touristen wird nicht stattfinden.

Der Aufbau ist fast abgeschlossen, ein Podest bei der Stadtpfarrkirche wartet. Der Cellist Friedrich Kleinhappl soll dort spielen. Dort, wo alles begann vor acht Tagen, soll es auch beginnen, mit dem Trauermarsch um 16.30 Uhr am Griesplatz. Nur einige Fahrzeuge stehen noch trotz der kurzfristig verfügten Parkverbote. Mitarbeiter der Holding Graz kehren den Platz sauber. Ums Eck, vor dem Haus Zweiglgasse 12 in einer Garageneinfahrt, brennen immer noch Kerzen für das erste Opfer, einen 28-Jährigen, aus Bosnien stammenden Mann, der erst zwei Wochen verheiratet gewesen war: „Lieber Adis! Wir trauern um dich. Deine Kolleginnen und Kollegen des Grazer Sozialamtes“. Hier soll am Nachmittag der bosnisch-österreichische Musiker Sandy Lopicic spielen.

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Am anderen Ende der Strecke des geplanten Trauermarsches, diskutiert kurz nach Mittag ein junger Mann mit Freunden und regt sich auf - über das Verhalten eines Grazer Innenstadtgeschäfts, das angeblich Kerzen zu überhöhten Preisen verkauft haben soll. „Verstehst, wenn ich die wäre, ich hätt‘ zwei Paletten mit Kerzen rausgestellt und alle Leute hätten sich eine nehmen können“.

Am Eisernen Tor, wo der Aufbau einer Videowall fast abgeschlossen ist, fährt ein schwarzer Kombi von der Fußgängerzone in die Stubenberggasse - etliche Leute blicken sofort auf, bleiben stehen und blicken dem Fahrzeug nach. Die Ereignisse sind wohl noch zu präsent.


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