Viele Terroropfer in Tunesien noch nicht identifiziert

Bisher konnten in Tunesien 18 von 38 Todesopfer in Tunesien identifiziert werden. Der tunesische Innenminister bemängelte nach dem Anschlag die Koordination der Sicherheitskräfte.

Blumen und Abschiedsworte schmücken den Strand in Tunesien nach dem Attentat.
© EPA

Tunis – Nach dem Terrorangriff eines mutmaßlichen Islamisten auf ein Strandhotel in Tunesien ist die Identität vieler Toter noch ungeklärt. Unter den 38 Opfern des Anschlags befinden sich Bürger mehrerer europäischer Länder. Österreicher sind weder unter den Toten noch unter den Verletzten, wie Außenministeriumssprecher Martin Weiss am Samstag der APA gesagt hat.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums konnten bis Sonntag 18 Opfer identifiziert werden. Die meisten davon stammen demnach aus Großbritannien – in einer Quelle war von 14, in einer anderen von 15 Briten die Rede. Zu den Opfern zählen aber auch ein Ire, ein Portugiese, ein Belgier und mindestens eine Deutsche.

Innenminister: „Attentäter hätte früher gestoppt werden können“

Der Attentäter studierte nach bisherigen Erkenntnissen Elektro-Ingenieurswesen in der tunesischen Stadt Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte am Freitag das bei europäischen Touristen beliebte Strandhotel „Hotel Riu Imperial Marhaba“ in Port El Kantaoui bei der Stadt Sousse überfallen und am belebten Strand das Feuer eröffnet. Später wurde er von Sicherheitskräften erschossen. Zu dem Angriff bekannten sich Unterstützer der jihadistischen Organisation „Islamischer Staat“ (IS) in einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung.

Der tunesische Innenminister Mohammad Najem Gharsalli erklärte, der Attentäter hätte wesentlich früher gestoppt werden können. Im Radiosender Mosaique FM warf er dem Sicherheitsservice des Hotels vor, nicht sofort die Polizei informiert zu haben. Durch eine bessere Koordination der Sicherheitskräfte hätte der Angreifer früher getötet werden können, sagte er. Tunesien will als Konsequenz aus dem Anschlag den Kampf gegen den Terrorismus verschärfen und bis zu 80 Moscheen schließen, in denen Extremisten verkehren sollen.

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Reiseveranstalter sagen Ausflugsprogramm ab

Indes verließen viele Urlauber die Region: Mindestens 1.000 Briten sind bereits ausgeflogen. Der Reiseveranstalters TUI rechnet damit, dass 250 deutsche Gäste vorzeitig abreisen wollen. „Bis zum Sonntagabend werden wir rund 200 Gäste ausgeflogen haben“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Etwa 3500 dagegen wollten demnach in Tunesien bleiben. Reiseveranstalter wie TUI, Thomson oder Thomas Cook haben es Tunesien-Urlaubern freigestellt, einen geplanten Tunesien-Urlaub kostenlos zu stornieren.

In ganz Tunesien machten zur Zeit des Anschlags etwa 15.000 Menschen Urlaub mit TUI. Rund 3800 davon kamen aus deutschsprachigen Ländern. Als Vorsichtsmaßnahme hat der Reiseveranstalter das komplette Ausflugsprogramm in Tunesien zunächst bis zum Dienstag abgesagt.

Dass die Touristen das Land nun erstmal meiden dürften, verstehen viele Tunesier. Zugleich bangen Hotelangestellte, Händler und andere vom Tourismus Abhängige nun um ihre Zukunft.

Welttourismusverband verurteilt den „brutalen Anschlag“

Der Welttourismusverband (WTTC) verurteilte den „brutalen Anschlag“, der „direkt ins Herz der Tourismusindustrie getroffen“ habe, rief aber Anbieter in aller Welt auf, die tunesische Tourismusbranche weiterhin zu unterstützen. Zugleich müsse die Regierung für „angemessene Sicherheitsvorkehrungen“ sorgen. Der französische Reisebüroverband SNAV sprach nach dem Anschlag von einer „katastrophalen“ Situation für das Land zu einem Zeitpunkt, „zu dem wir das Gefühl hatten, dass das Reiseziel gerade wieder zu laufen begann“.

Papst Franziskus verurteilte den Angriff in Tunesien sowie die Anschläge in Kuwait und Frankreich scharf. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bete für die Opfer und sichere den Hinterbliebenen „geistliche Unterstützung“ zu, heißt es laut Radio Vatikan in drei am Sonntag veröffentlichten Beileidstelegrammen.

In Reaktion auf den Anschlag in Tunesien sind in Rom die Anti-Terrorkontrollen verschärft worden. „Unsere Sicherheitskräfte sind rund um die Uhr im Einsatz, doch kein Land kann sich vor der Terrorgefahr sicher fühlen“, sagte Innenminister Angelino Alfano nach Angaben italienischer Medien vom Sonntag.

Kuwaitischer Attentäter identifiziert

Auch Frankreich will als Konsequenz aus dem offenbar islamistisch motivierten Anschlag auf ein Gaslager bei Lyon und die Enthauptung eines Mannes die Sicherheitskräfte aufstocken. Bei Polizei und Gendarmerie sollen 500 neue Stellen pro Jahr geschaffen werden, die Nachrichtendienste mit 1.500 neuen Mitarbeitern verstärkt werden.

In Kuwait identifizierten Behörden inzwischen den Attentäter, der am Freitag bei einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee 27 Menschen getötet hatte. Der Mann sei Saudi-Araber gewesen, teilte das Innenministerium am Sonntag mit. Am Samstag wurden in Kuwait-Stadt 18 der insgesamt 26 Opfer unter großer Anteilnahme beigesetzt. (APA/dpa/AFP)


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