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Paul Weller hasst die Oper: „Mir gefällt Rock‘n‘Roll besser“

Wien (APA) - Er ist quasi der Elder Statesman des britischen Rock: Bei Paul Weller, der seine Karriere mit The Jam und The Style Council sta...

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Wien (APA) - Er ist quasi der Elder Statesman des britischen Rock: Bei Paul Weller, der seine Karriere mit The Jam und The Style Council startete, wird seit Jahrzehnten Abwechslung groß geschrieben. Das hat der heute 57-Jährige mit seinem vor wenigen Wochen erschienenen Album „Saturns Pattern“ erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Darauf vereint er gekonnt Rock, Pop, Folk und Psychedelic.

Am gestrigen Dienstagabend beschloss Weller mit einem Auftritt die Staatsopern-Konzerte beim diesjährigen Jazz Fest Wien. Davor traf ihn die APA zum Gespräch über Einflüsse, Arbeitsweisen und seinen Bezug zur klassischen Musik.

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APA: Mit „White Sky“ setzen Sie auf Ihrem neuen Album einen sehr rockigen Song an den Beginn. Wie wichtig ist ein guter Einstieg für Sie?

Paul Weller: Das ist der einleitende Schachzug, der ist immer wichtig. Egal, ob es um ein Album oder ein Konzert geht. Dieses Statement ist essenziell und muss die Leute abholen. Aber eigentlich ist die ganze Tracklist wesentlich, weshalb ich daran immer sehr lange arbeite. Ich probiere dabei verschiedene Varianten und höre mir an, wie der Fluss ist.

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APA: Sie gehen immer wieder auch neue Kollaborationen ein. Hilft so etwas, den eigenen Zugang zur Musik frisch zu halten?

Weller: Auf jeden Fall. Je älter du wirst und je mehr du gemacht hast, umso einfacher wird es eigentlich, in einen Trott zu verfallen. Ich möchte aber offen bleiben und mich umschauen, was es da draußen sonst noch gibt. Ich kann dann trotzdem noch das Gleiche tun, aber auf eine andere Weise.

APA: Und außerdem überraschen Sie offensichtlich gerne Ihre Fans...

Weller: Und das ist gut so! Meine Vorstellung einer Band kommt ja von den Beatles. Als ich ein Kind war, habe ich immer auf ihre nächste Platte gewartet und war gespannt, in welche Richtung sie gehen würden. Das war damals einfach viel spannender als heute, weil man die Songs wirklich erst dann gehört hat. Deshalb versuche ich immer etwas Neues und möchte das Publikum mitnehmen. Das ist mein Ideal.

APA: Im Vergleich zu den Vorgängern ist „Saturns Pattern“ zwar nicht minder abwechslungsreich, aber dabei trotzdem in sich geschlossen. Das war zuletzt nicht immer der Fall...

Weller: Ja, das war sicher ein Ziel. Ich habe einen bestimmten Klang gesucht, von dem ich nicht wusste, wie er sein muss, bis wir ihn gefunden haben. Die Produktion hat ihren Beitrag dazu geleistet. Der Schlagzeugsound ist einfach anders, etwas größer, wodurch alles mehr vom Groove bestimmt wird.

APA: Wie stark verändert sich ein Stück im Laufe der Zeit - vom ersten Mal, dass Sie eine Melodie im Kopf haben, bis zum fertigen Album?

Weller: Das kommt sehr darauf an. Ein Song wie „Long Time“ ist genau so geworden, wie ich ihn mir anfangs vorgestellt habe, als ich ihn auf Tour geschrieben und in so ein kleines Aufnahmegerät gesungen habe. Andere Stücke wie „Going My Way“ haben einen ziemlich Wandlungsprozess durchlaufen. Den Song habe ich lange mit mir herumgetragen, ohne dass er funktioniert hätte. Manchmal trifft man den Nagel sofort auf den Kopf, manchmal verändern sich die Sachen ein wenig und manchmal geht es über alles hinaus, was du dir vielleicht ausgemalt hast.

APA: In der Regel veröffentlichen Sie alle zwei Jahre ein neues Album. Ist das nicht sehr kräftezehrend?

Weller: Das ist für mich sogar noch langsam. Ich komme aus einer Zeit, als viele Künstler jedes Jahr ein neues Album herausgebracht haben. Heutzutage veröffentlichen Bands wie Coldplay nur alle vier Jahre ein Album - und dann klingen sie auch noch gleich. Das verstehe ich nicht! Ich glaube, dass es wichtig ist, auf diese Weise sein Handwerk zu verbessern und am Songwriting zu arbeiten. Das ist doch auch eine Frage des Arbeitsethos, oder? Aus meiner Sicht ist es viel gesünder, diesen Weg zu gehen.

APA: Sie haben mit Ihren verschiedenen Projekten unzählige Musiker beeinflusst. Wie fühlt es sich an, so eine Position in der Popwelt innezuhaben?

Weller: Ich weiß nicht. Das ist doch nur passiert, weil ich nicht gestorben bin (lacht). Ich habe überlebt und konnte daher weitermachen, konnte weiterhin Musik aufnehmen. Ich glaube, dann wird man irgendwann von den anderen akzeptiert oder wird ein Teil davon. Aber ich denke darüber eigentlich nicht nach.

APA: Da wir hier in der Staatsoper sitzen: Wie wichtig ist klassische Musik für Sie?

Weller: Ich weiß zwar nicht viel darüber, aber ich mag klassische Musik. Am besten gefallen mir Sachen aus dem 19. Jahrhundert, wie Satie oder Debussy. Da höre ich moderne Akkorde heraus, die auch von Jazzmusikern später aufgegriffen wurden. Insofern könnte man vielleicht sagen, dass Akkorde oder Harmonien sich auch auf meine Musik ausgewirkt haben. Aber letztlich ist es nur ein Einfluss von vielen, wie eigentlich jede Musik, die ich je gehört habe. Folk, Jazz, was auch immer - alles wird aufgesaugt und fließt damit ins System.

APA: Waren Sie schon einmal in einer Oper?

Weller: Einmal, ich habe es wirklich gehasst (lacht). Ich klinge wahrscheinlich wie ein Kulturbanause, aber das ist einfach nichts für mich. Aber nein, das stimmt gar nicht, es war ein Ballett. Das habe ich gehasst. Ich kann mit diesen altmodischen Dingen nichts anfangen. Das ist mir zu theatralisch. Mir gefällt Rock‘n‘Roll besser.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - http://paulweller.com)


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