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Serbischer Ex-Milizenführer von Australien an Kroatien ausgeliefert

Zagreb (APA) - Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher und frühere Milizenführer Dragan Vasiljkovic alias „Kapetan Dragan“ ist an Kroatie...

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Zagreb (APA) - Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher und frühere Milizenführer Dragan Vasiljkovic alias „Kapetan Dragan“ ist an Kroatien ausgeliefert worden. Neun Jahre nach seiner Festnahme in Australien kam der 60-Jährige, der Staatsbürgerschaften Serbiens und Australiens besitzt, am Donnerstagvormittag am Zagreber Flughafen an, berichteten kroatische Medien.

Vasiljkovic wird Medienberichten zufolge in die südkroatische Stadt Split gebracht. Dort werden gegen ihn Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen geführt. Dem früheren Anführer einer serbischen paramilitärischen Gruppe legen kroatische Ermittler zahlreiche Kriegsverbrechen, darunter die Folterung und Ermordung von Kriegsgefangenen und Zivilisten zu Last.

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„Dragan Vasiljkovic ist nach einem langjährigen Rechtskampf, der vor neun Jahren begonnen hat, an Kroatien übergeben worden und befindet sich in Kroatien. Er wird weiter wie jeder anderer Angeklagter prozessiert“, sagte der kroatische Justizminister Orstat Miljenic am Donnerstag laut Nachrichtenagentur Hina. Bei einer Pressekonferenz versicherte er, dass Vasiljkovic in Kroatien einen „fairen Prozess“ erhalten werde. Seinem serbischen Amtskollegen Nikola Selakovic, der daran Zweifel zeigte, teilte Miljenic mit, dass seine Einschätzung unangebracht sei.

Vasiljkovic führte während des Kroatienkrieges (1991-1995) die sogenannte Einheit „Kninjas“ an, die in dem von kroatischen Serben besetzten Gebiet der selbstproklamierten Republika Srpska Krajina, tätig war. Die Staatsanwaltschaft in Split wirft ihm vor, kroatische Kriegsgefangene in Gefängnissen in Knin (1991) und Bruska in der Nähe von Benkovac (1993) gefoltert und ermordet zu haben. Im Jahr 1991 soll er außerdem einen Angriff auf die zentralkroatische Stadt Glina und umliegende Dörfer geplant haben, bei dem Zivilisten getötet und das Eigentum geplündert wurde. Dabei wurde auch der deutsche Journalisten Egon Scotland, der für die „Süddeutsche Zeitung“ arbeitete, getötet. Kriegsverbrechen gegen Zivilisten und Kriegsgefangene in der Umgebung von Knin in der zweiten Jahreshälfte 1991 bis Anfang 1992 werden „Kapetan Dragan“ auch von der Staatsanwaltschaft in Sibenik angelastet.

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Der in Belgrad geborene Vasiljkovic, der in Australien unter den Namen Daniel Snedden lebte, bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Neun Jahre wehrte er sich gegen seine Auslieferung an Kroatien. Kroatien hatte bereits 2005 ein Gesuch an Australien zur Auslieferung gestellt. Vasiljkovic war erstmals 2006 in Perth festgenommen worden. 2009 kam er jedoch gegen Kaution auf freien Fuß. Seiner zweiten Festnahme entzog er sich zunächst durch eine 40-tägige Flucht, bevor er im Jahr 2010 erneut gefasst wurde.

Im November 2012 hat die australische Regierung einer Auslieferung an Kroatien zugestimmt, allerdings wurde sie durch weitere Anfechtungen des Beschlusses verzögert. Der australische Oberste Gerichtshof lehnte Berichten zufolge die Beschwerde Vasiljkovics schließlich ab. Medienberichten zufolge ist Vasiljkovic der erste australische Staatsbürger, den Australien wegen des Vorwurfs von Kriegsverbrechen ausgeliefert hat.


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