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Absturz der Edelbanker - Ex-Chefs von Sal. Oppenheim verurteilt

Köln (APA/dpa) - Absturz der Edelbanker: Seit mehr als zwei Jahren sitzen die vier einstigen Entscheider der Nobelbank Sal. Oppenheim auf de...

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Köln (APA/dpa) - Absturz der Edelbanker: Seit mehr als zwei Jahren sitzen die vier einstigen Entscheider der Nobelbank Sal. Oppenheim auf der Anklagebank. Nun haben sie ihre Schuldsprüche vernommen. Starr, schweigend, nach außen unbewegt.

Das mit Spannung erwartete Urteil des Kölner Landgerichts am Donnerstag und die beschriebenen Machenschaften sind schwerlich zu beschönigen: Gemeinschaftlich begangene Untreue in besonders schwerem Fall, ein hoher Millionschaden für die Bank, stellt die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker fest. Freiheitsstrafen für alle vier Angeklagten, einer von ihnen soll hinter Gitter.

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Auf den Niedergang der einst größten europäischen Privatbank mit ihrer superreichen Kundschaft folgt damit der tiefe Fall der früheren Elite-Banker. Dass eine gesamte Bankenführung verurteilt wird, hat absoluten Seltenheitswert. Der Ruf der Herrn ist ruiniert.

Von den vier Ex-Chefs waren zwei geständig und bereuten. Besonders zerknirscht hatte sich Matthias Graf von Krockow gezeigt, früher Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter: „Ich bekenne mich zu meinem Teil der Verantwortung. An dieser Verantwortung trage ich schwer, emotional und finanziell“. Er wirkte zunehmend mitgenommen, der Anzug umschlabbert den 66-Jährigen nach Gewichtsverlust. Eine karge Gefängniszelle bleibt ihm erspart. Und zwar ganz knapp - mit zwei Jahren auf Bewährung.

Auch Christopher von Oppenheim hatte bereut und um Milde gebeten. Das Urteil gegen ihn - ein Jahr und elf Monate - hat für ihn als Ur-ur-ur-ur-Enkel des Bankengründers und Namensträger eine besondere Tragik. Zwar ist auch er an einer Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt. Doch der Name des 49-Jährigen wird immer mit dem Beinahe-Zusammenbruch des Geldhauses verbunden bleiben, das Vorfahr Salomon Oppenheim 1789 gegründet, das Revolutionen und Kriege überstanden hatte. Nur ein Verkauf an die Deutsche Bank verhinderte den Kollaps der Privatbank, die nach 220 Jahren ihre Unabhängigkeit - und einen Großteil der Mitarbeiter - verlor.

Ganz anders als die beiden Geständigen waren Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt aufgetreten, die Vorwürfe und Verantwortung zurückwiesen hatten, Freispruch verlangten. Er sei ein spät Hinzugekommener „ohne Führungsanspruch“, gab Jansen zu Protokoll. Der 71-Jährige soll als einziger ins Gefängnis gehen. Der mehrstündigen Urteilsbegründung lauschte er - wie auch meistens zuvor - mit oft geschlossen Augen und ungerührt. Beobachter gehen davon aus, dass er Revision beim Bundesgerichtshof einlegen wird.

Auch Pfundt (62) hatte sich als Randfigur dargestellt. Ganz am Ende des spektakulären Verfahrens räumte er Fehler ein, die aber nicht strafrechtlich relevant seien. Das Gericht sah das anders: Zwei Jahre, ausgesetzt zur Bewährung.

Der Name der Bank und ihrer vier früher persönlich haftenden Gesellschafter hatte früher einen untadeligen und exklusiven Klang. Man verkehrte in gehobenen Kreisen, unter Geld- und Erbadel, traf sich auf der Rennbahn. Millionäre und Milliardäre vertrauten dem diskreten Kölner Geldhaus ihr Vermögen zwecks Vermehrung an. Dabei halfen auch Immobilienfonds, die der damalige Geschäftspartner Josef Esch mit der Bank auflegte.

Nur für Esch, den fünften Angeklagte, dürfte der 9. Juli 2015 im Saal 210 ein nicht allzu schwarzer Tag sein. Er kommt mit einer Geldstrafe von 495.000 Euro vergleichsweise glimpflich davon. Esch wurde wegen „fahrlässigen unerlaubten Betreibens von Bankgeschäften“ verurteilt. Es handle sich laut Gericht um eine „Verfehlung von geringer Intensität“, erklärten seine Verteidiger nach dem Urteil schriftlich. Prominente Zeugen wie Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hatten Esch als zentrale Figur dargestellt.

In dem Verfahren waren Millionendeals mühsam und akribisch unter die Lupe genommen worden. Ein Immobiliengeschäft in Frankfurt und ein 380-Millionen-Euro-Kredit an Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz standen im Fokus. Die Anklage hatte von „Verschleierung“, „Lügengebäuden“, einem „Strohmann-Kredit“ gesprochen. Am Interesse der Bank hätten sich die Ex-Chefs jedenfalls bei ihren Entscheidungen nicht ausgerichtet. Das Urteil kommt allerdings mit drei Bewährungsstrafen nicht allzu nah ran an die Forderung der Staatsanwaltschaft, die für das Ex-Führungsquartett durchweg Gefängnisstrafen verlangt hatte.

Ein Schlussstrich ist mit dem Kölner Urteil noch nicht gezogen. Es ist noch nicht rechtskräftig, den Beteiligten stehen Rechtsmittel offen. Außerdem gibt es mehrere Schadenersatzforderungen gegen die Angeklagten. Prominenteste Klägerin ist dabei Ex-Milliardärin Schickedanz, die von ihrem früheren Vermögensberater Esch und den Ex-Bankiers Geld zurückhaben will. Man habe ihr Vermögen verschleudert, die Beklagten bestreiten das. Dabei geht es allerdings nicht um Millionenbeträge - sondern um 1,9 Mrd. Euro.


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