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„Wer kann den Judentempel brauchen?“ 1

Wien (APA) - Am Beginn standen die Novemberpogrome der Nazis im Jahr 1938, dann kam der Holocaust. Massenmord und Zerstörungen haben die alt...

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Wien (APA) - Am Beginn standen die Novemberpogrome der Nazis im Jahr 1938, dann kam der Holocaust. Massenmord und Zerstörungen haben die alte jüdische Kultur in Europa vernichtet. Mit dem Schicksal der Synagogen nach 1945 hat sich diese Woche (7. bis 10. Juli) die 25. Internationale Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs in Wien beschäftigt - eine noch immer offene Wunde.

Der Titel der Veranstaltung des in St. Pölten beheimateten Instituts in der WU Wien - „Wer kann den Judentempel brauchen?“ - stammt aus einem Artikel einer niederösterreichischen Zeitung vom 4. März 1975, wie Historiker Christoph Lind im Beitrag zur Geschichte der St. Pöltener Synagoge feststellte. Nach der teilweisen Zerstörung im November 1938 und der Beschlagnahmung bzw. Arisierung im Jahr 1940 durch die Stadtgemeinde, waren die beschädigten Gebäudeteile des Komplexes gegen Verrechnung des von der Stadtgemeinde unter den Nazis ehemals erzielten Kaufpreises an die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) zurückgestellt worden. Diese fühlte sich schließlich außerstande, die Gebäude zu erhalten. „Man könnte den Tempel niederreißen und das Areal der Krankenkasse anbieten. Diese hat allerdings schon abgewunken. Für den Neubau zu ungünstig gelegen, für einen Parkplatz zu klein“, war 1975 zu der Frage der Synagoge zu lesen.

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Nur knapp entging das Gotteshaus - in den 1980er-Jahren schließlich wiederhergestellt - dem Schicksal der Synagogen in Eisenstadt (endgültig zerstört im Jahr 1951), Wiener Neustadt (1953), Groß-Enzersdorf (1961), Krems (1978), Mistelbach (1979), Neunkirchen (1984), Mödling (1987) und Klosterneuburg (1991 Abriss der Jugendstilsynagoge, nur das Kantorhaus blieb erhalten). Das war die zweite und endgültige Demolierung der Versammlungsorte, Bethäuser, der sogenannten „Schul“ der Juden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Strafverfahren zu den Novemberpogromen in Österreich ziemlich bald versandet. Am 11. März 1952 endete beispielsweise am Kreisgericht St. Pölten auch das Verfahren gegen den letzten wegen der Zerstörung jüdischer Einrichtungen mit enormen Schaden Angeklagten - mit einem Freispruch vom Vorwurf „fremdes Eigentum im Werte von ungefähr 300.000 Schilling“ durch die teilweise Zerstörung der Synagoge geschädigt zu haben.

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„Wie er selbst zugibt, hat er sich um die Aufnahme in die SS beworben und hat sich zur Tatzeit (10. November 1938; Anm.) am Tatort befunden und sich unter den an der Zerstörung des Judentempels beteiligten SA- und SS-Leuten bewegt, weshalb anzunehmen ist, dass auch er selbst Zerstörungshandlungen gesetzt hat, wenngleich durch die Zeugen derartige Handlungen nicht mit voller Sicherheit bestätigt werden konnten“, stellte das Gericht in seinem Urteil fest. Schließlich erhielt der Vorläufer des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs den Gebäudekomplex übertragen und bezog einen Teil, die eigentliche Synagoge aber harrt „erneut einer sinnvollen, dem Ort gerechten und würden Nutzung“, wie Lind festhielt.


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