Dieter Moebius 1944–2015

Dieter Moebius, international angesehener Pionier der elektronischen Musik, ist tot.

© Privat Moebius

Innsbruck –„And the light disappears/As the world makes its circle through the sky“ heißt es am Schluss des Songs „The Bell Dog“, den der britische Musiker und Produzent Brian Eno Dienstagfrüh auf Twitter postete. Mit dem Song – der bereits in Richtung Dream­pop weist – und „RIP Dieter Moebius“ verabschiedete er sich von dem deutschen Krautrock-Pionier. Der Song ist von der 1978 entstandenen Platte „After The Heat“, der bereits zweiten Zusammenarbeit von Eno und Cluster, dem deutschen Musikprojekt von Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius. Der britische Avantgardist hatte stets besonderes Gespür für maßgebliche Musik bewiesen. „Eno hat seine Ambient-Klänge nicht zu uns gebracht, sondern wir haben sie ihm überlassen“, sagte Moebius einmal in einem Spiegel-Interview über die Zusammenarbeit. Was Cluster ab den späten 1960er-Jahren mit ihren minimalistischen Synthesizer-Klängen lieferten, war tatsächlich völlig neu, radikal und bahnbrechend. Die Gruppe zählte ab den späten 60er-Jahren zu den fixen Größen der Westberliner Musikszene. Moebius, 1944 in St. Gallen in der Schweiz geboren, war als 18-Jähriger zum Kunststudium nach Berlin gekommen, das er aber nur „halbherzig“ verfolgte, lieber experimentierte er mit neuen Klängen.

Cluster war aus der 1969 von Moebius und Roedelius gegründeten Musikgruppe Kluster hervorgegangen, zu der noch Conrad Schnitzler von Tangerine Dream zählte. Schnitzler verließ aber schon bald die Gruppe, Roedelius’ und Moebius’ künstlerische Zusammenarbeit sollte weitere 40 Jahre andauern, die Cluster-Alben „Cluster“ (1971), „Zuckerzeit“ (1974) und „Sowiesoso“ (1976) zählen zu den Meilensteinen der experimentellen elektronischen Musik. Gemeinsam mit Martin Rother bildeten sie die Supergroup des Krautrock Harmonia, zu deren Fans David Bowie oder die Red Hot Chili Peppers zählen.

Moebius’ Solo-Arbeiten und seine Kollaborationen mit u. a. Plank oder Beerbohm zeugen von seiner Leidenschaft für schräge Klänge („strange sounds“), so heißt es auf der Website dietermoebius.de. Mit dieser Leidenschaft hatte Moebius viele neue Musikstile auf den Weg gebracht. „Wir werden ihn alle sehr vermissen“, schrieb Martin Rother am Montag auf Facebook. (sire)

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