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Kirchenführung im Irak prangert Untätigkeit der Weltgemeinschaft an

Bagdad (APA) - Der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Rafael I. Sako hat scharfe Kritik an der Weltgemeinschaft geübt. Die Welt besc...

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Bagdad (APA) - Der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Rafael I. Sako hat scharfe Kritik an der Weltgemeinschaft geübt. Die Welt beschränke sich auf Verurteilungen der Islamisten und bleibe untätig, sagte Sako ein Jahr nach der Vertreibung der irakischen Christen aus der Ninive-Ebene. Dieses „Versagen“ sei „ein Skandal“.

Die Ökumenische Stiftung Pro Oriente zitierte Sako mit den Worten, der Westen stehe der Tragödie der Nahost-Christen „gleichgültig oder ängstlich gegenüber“, anstatt die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS) zu stoppen. Ein Grundübel sei der internationale Waffenhandel. Das Oberhaupt der mit Rom unierten Kirche stellte fest, der IS sei nun tatsächlich zu einem „Staat“ geworden, mit Geld, Öl, Waffen und einem großen Zulauf an Jihadisten. Sako: „Der ganze Nahe Osten braucht Ordnung. Ich denke auch an den Iran, Libyen, Syrien, Jemen oder den Libanon.“

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Patriarch Sako zog kürzlich bei einer Veranstaltung in Süditalien eine traurige Bilanz. Seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein 2003 seien mehr als 1.200 Christen im Irak getötet worden. 62 Kirchen wurden angegriffen, teils geplündert und zerstört. In Mosul wurde nach der syrisch-katholischen Kirche St. Ephraim nun auch die chaldäische Kirche St. Josef in eine Moschee umgewandelt. Die Christen im Irak und in Syrien erlebten derzeit „eine Verfolgung wie in der Urkirche“. Sako forderte die Trennung von Religion und Staat im künftigen Irak. „Die Muslime müssen eine neue Lesart des Islam finden“, um Respekt vor der Würde aller Menschen zu entdecken.

In einem Interview für „Radio Vatikan“ hatte Sako vor zwei Wochen beklagt, dass Christen im Irak nicht nur terroristische Attacken erleiden müssen, sondern vermehrt Zielscheibe krimineller Banden würden. Zwei entführte Christen wurden jüngst trotz Zahlung von Lösegeld getötet. Viele würden mit gefälschten Dokumenten aus ihren Wohnungen geworfen, andere durch Telefonterror zur Aufgabe ihrer Arbeit im Staatsdienst gedrängt. Weithin herrsche Anarchie. Die Regierung in Bagdad schütze die Christen nicht, die Armee sei mit der Rückeroberung von Städten aus den Händen des IS beschäftigt, kritisierte der in Bagdad residierende Patriarch. Vatikan- Quellen berichten auch von illegalen Enteignungen christlichen Besitzes in Kirkuk.

Die Tragödie der chaldäischen Kirche hatte Sako in einem Interview dargestellt, das in Paris erschien („Ne nous oubliez pas“- Vergesst uns nicht). Darin ging er auch mit den USA scharf ins Gericht. „Wo sind die Amerikaner, die in den Irak einmarschiert sind, den ‚regime change‘ (Regimewechsel) betrieben und versprachen, die Menschenrechte zu schützen und Demokratie und Freiheit zu bringen?“ Die Zahl der Christen im Irak sei seit 2003 von circa zwei Millionen auf etwa 400.000 gesunken. Dennoch dürfe man die historische Heimat nicht aufgeben.


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