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„Eventbude“ auf Kampnagel mit Choreografie-Klassiker eröffnet

Hamburg (APA/dpa) - Eine riesige Wand aus Maschendraht, davor stehen mehrere Plateaus, die die Spielfläche in zwei Ebenen teilen. Tänzer ero...

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Hamburg (APA/dpa) - Eine riesige Wand aus Maschendraht, davor stehen mehrere Plateaus, die die Spielfläche in zwei Ebenen teilen. Tänzer erobern in klaren Linien oben und unten den Raum. Zuerst sind sie vor dem weiß leuchtenden Hintergrund nur als Schatten zu erkennen, später verschmelzen ihre Bewegungen im Licht roter Scheinwerfer zu einem betörenden Ganzen.

Mit einer überarbeiteten Fassung ihrer Choreografie „Available Light“ hat die Künstlerin Lucinda Childs am Mittwoch das diesjährige Internationale Kampnagel Sommerfestival eröffnet. Das Original wurde 1983 in Los Angeles aufgeführt und gilt als Klassiker des postmodernen Tanz. Es gibt keine Geschichte und keine Figuren, nur Menschen, die sich in einem vormals industriell genutzten Raum bewegen.

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Dazu hat der Musiker John Adams mit der Komposition „Light Over Water“ einen elektronischen Soundtrack beigesteuert, der weniger klare Melodien als vielmehr einen Klangteppich liefert, der genau wie die Tänzer unaufgeregt den Raum erobert. In Los Angeles gestaltete Star-Architekt Frank O. Gehry für die Uraufführung zwei ehemalige städtische Lagerhäuser um - die Neufassung in Hamburg kommt in den ehemaligen Werkshallen auf Kampnagel zur Premiere. Innerhalb der Industriearchitektur dieser riesigen Kultur-Fabrik scheint die Wiederauflage der Choreografie gut aufgehoben.

Es ist ein Abend, an dem die unterschiedlichsten Kunstformen von Musik bis Architektur zusammenfinden. Das ist als Eröffnungsinszenierung der Festwochen durchaus programmatisch zu verstehen. „Wir wollen kein Festival für die Spezialisten sein, wir wollen Avantgarde für alle bieten“, sagt der künstlerische Leiter Andras Siebold. Während des knapp dreiwöchigen Programms sollen sich bis zum 23. August die Sparten Musik, Tanz, Theater und bildende Kunst immer wieder überschneiden.

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So stand am Donnerstag zum Beispiel eine Bühnenarbeit des Videokünstlers Douglas Gordon auf dem Spielplan. In „Bound to hurt“ werden populäre Songs in eine dunkle, musikalische Reise voller emotionaler Ausnahmezustände verwandelt.

Als „größte Eventbude des Sommers“ bezeichnet sich das Festival selbst. Neben den Inszenierungen lädt auch der riesige Festivalgarten zu Diskussionen und Partys ein. Dort sollen nicht nur Konzerte stattfinden - es ist auch ein verwinkeltes Dorf aus Holz-Skulpturen entstanden, die berühmte kapitalistische Monumente aus aller Welt nachbilden. So gibt es unter anderem eine Replik von Gehrys Walt Disney Concert Hall, die die Künstlergruppe BalticRaw zu einem „Willkommenscenter für Flüchtlinge“ umgebaut hat.


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