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Die Ukraine steht finanziell am Abgrund - Stichwort

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Kiew/London (APA/Reuters) - Die Ukraine kämpft wirtschaftlich und finanziell ums Überleben. Kann sich das Land, das im Osten in einen militärischen Konflikt mit russlandfreundlichen Separatisten verwickelt ist, nicht in der kommenden Woche mit privaten Gläubigern einigen, droht die Staatspleite.

Denn dann gerät ein mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und internationalen Partnern geplantes Hilfspaket über etwa 40 Mrd. Dollar (36,8 Mrd. Euro) in Gefahr. Im Folgenden eine Übersicht:

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WIRTSCHAFTLICHE LAGE

Die Wirtschaftsleistung brach im ersten Quartal um mehr als 17 Prozent ein. Für das Gesamtjahr rechnet der IWF mit Minus 9 Prozent, deutlich mehr als noch im März. Der Kursverfall der Landeswährung und massive Steigerungen bei den staatlich regulierten Energiepreisen trieben die Jahresteuerung im April auf 61 Prozent hoch.

HILFEN DES IWF

Derzeit läuft ein IWF-Hilfsprogramm im Volumen von 17,5 Mrd. Dollar. Davon sind kürzlich 1,7 Mrd. Dollar zur Auszahlung freigegeben worden, die gesamten Auszahlungen summieren sich auf 6,68 Mrd. Dollar. Der ukrainischen Regierung bescheinigt der IWF, bisher ihre Reformzusagen eingehalten und alles getan zu haben, um die Bedingungen für Hilfen zu erfüllen.

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Die Hürden für das Land wurden zuletzt gesenkt. So soll die Inflationsrate bis Jahresende auf 46 Prozent sinken, ursprünglich war von 27 Prozent die Rede. Das Haushaltsdefizit des Zentralstaates soll 2015 bei 4,2 Prozent liegen, ohne Berücksichtigung der Schuldendienste soll die Ukraine einen Primärüberschuss von 1,1 Prozent erreichen. Die Schuldenquote soll bis Ende 2020 auf knapp 110 Prozent sinken - nach einem erwarteten Wert von fast 150 Prozent in diesem Jahr.

GEMEINSES HILFSKONZEPT VON IWF UND PARTNERN

Die IWF-Hilfen sollen Teil eines Pakets mit einem Gesamtvolumen von 40 Mrd. Dollar sein. Private Gläubiger, darunter viele Hedgefonds, sollen 15 Mrd. Dollar über einen Forderungsverzicht beisteuern. Der Rest soll von Ländern oder Ländergruppen kommen. So hat Deutschland eine Kreditbürgschaft von 500 Mio. Euro zugesagt, geflossen ist bisher nichts. Kommt von den Gläubigern nicht der erhoffte Betrag, um das Land wieder auf die Beine zu bringen, gerät das gesamte Hilfspaket in Gefahr - denn dann sind nach IWF-Berechnungen die Schulden nicht mehr tragfähig. Der Fonds könnte dann keine weiteren Hilfen mehr auszahlen.

VERSCHULDUNG IM AUSLAND

Derzeit schuldet die Ukraine seinen Gläubigern insgesamt etwa 45,25 Mrd. Dollar. Auf Kreditgeber aus dem Ausland entfällt davon etwa die Hälfte. Sie liehen dem Staat knapp 20 Mrd. Dollar und Staatsunternehmen knapp 3,5 Mrd. Dollar. Ein Teil der ukrainische Anleihen ist im Besitz russischer Investoren.

Die ukrainische Regierung will die ausländischen Gläubiger zu einem Forderungsverzicht von 40 Prozent bewegen, den diese bisher aber verweigern. Immerhin bot nach Reuters-Informationen eine Gruppe um die US-Investmentfonds Franklin Templeton und T. Rowe Price, für die in der Ukraine zusammen etwa 8,9 Mrd. Dollar im Feuer stehen, zuletzt an, auf fünf Prozent ihrer Kreditsumme zu verzichten.

DÜNNER FINANZPUFFER

Ende Juni lagen die Devisenreserven des Landes bei 10,3 Mrd. Dollar - das deckt 23 Prozent der kurzfristigen Schulden ab. Der IWF schätzt das als sehr wenig ein. Hinzu kommt eine Vereinbarung mit der Bank of China, die dem Land zusätzlich einen Puffer von etwa 2,4 Mrd. Dollar bis 2018 sichert.

~ WEB http://www.imf.org ~ APA350 2015-08-06/14:10


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