Südtirol

Imagewandel: Umstrittene Band Frei.Wild gegen Rechts

Freiwild bei einem Auftritt in Kufstein im Mai 2013.
© KoffouPressefoto

Die umstrittene Südtiroler Band hat sich erstmals deutlich von Fremdenhass distanziert – und damit die Fans aus der rechten Ecke verärgert.

Von Ann-Kathrin Hipp

Brixen – Wenn Philipp Burger auf der Bühne „Heimatliebe“ ins Mikrofon brüllt, bricht Jubel aus. Tausende Fans feiern die Südtiroler Band, die seit Jahren die öffentliche Meinung provoziert und polarisiert. Eine Band, die sich nie offen zu Rechtsextremismus bekannte, aber stets ihre Heimat und den Zusammenhalt der eigenen Volksgruppe feierte. Die vier Musiker von Frei.Wild bewegen sich irgendwo zwischen konservativem Patriotismus und Rechtsextremismus - wo genau, dass konnte nie jemand so richtig sagen. Bis jetzt.

Vergangene Woche überraschte die Band mit einem Statement auf ihrer Facebook-Seite, dass jeglichen Rechtsaußen-Verdacht beiseite räumen sollte. Unter dem Motto „Eine bunte Welt!“ setzten die vier Musiker ein Zeichen für Menschlichkeit und Zivilcourgage – und gegen Fremdenhass. „Gegen Rassismus zu sein, ist für uns eine Frage des An- und Verstandes“, hieß es auf der Seite. „Alle, die diese Sache gleich sehen und in irgendeiner Form Menschlichkeit walten lassen, haben unseren größten Respekt.“ Die Musiker seien stolz auf Fans, die Patenschaften für Flüchtlingskinder übernehmen, spenden, oder sich in Netzwerken engagieren.

Klares Statement gegen Pegida und Afd und Co.

Gleichzeitig distanzierte sich die Band deutlich von Pegida und der AfD: „Ihr seid scheiße und die Scheiße werden wir nicht zulassen.“ Wer das anders sehe, sei kein Teil von ihnen und nicht weiter willkommen: „Wir sind die gänzlich falsche Band für euch.“

In der Kommentarspalte hagelte es daraufhin neben lobenden Worten vor allem Kritik aus der rechten Ecke. „Mit dem in diesem Statement veröffentlichten Aussagen werft ihr eure Vergangenheit und Ideale über Bord“ , schrieb ein Fan, ein anderer: „Erhofft ihr euch mehr Plattenverkäufe mit eurem Gutmenschen-Gehabe ?“ Auch Spekulationen wurden laut, ob der Account der Band gehackt worden sei.

Die Wölfe im Schafspelz seien ein für alle mal enttarnt

Frei.Wild selbst äußerte sich am Montag erneut, dass sie mit einem solchen Echo bereits gerechnet hätten. Insgesamt habe ihr Statement jedoch bewirkt, was es bewirken sollte. Es habe „die Wölfe im Schafspelz ein für allemal enttarnt und ihnen die Masken schonungslos vom Gesicht gerissen.“ Auslöser sei der Zorn über Sympathisanten gewesen „die nicht nur uns und dieser Bandfamilie schaden, sondern wahrlich überhaupt nicht mit unserem Wunsch des friedlichen Zusammenlebens einhergehen.“

Es scheint, als wage die vierköpfige Band den Versuch einer Kehrtwende, als wolle sie beweisen, dass sie auch ohne braune Fans erfolgreich sein kann. Trotzdem bleiben Texte, wie „Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt vor den andersgläubigen Kindern“, aus Liedern wie „Das Land der Vollidioten“, die einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Es bleibt im Hinterkopf, dass Leadsänger Philipp Burger einst Mitglied der rechten Skinhead-Formation Kaiserjäger war.

Wie es mit den umstrittenen Chartstürmern weitergeht, dürfte sich auf den nächsten Konzerten zeigen. Der Rechtspopulist Jürgen Elsässer fordert in einem Blogeintrag zum „patriotischen Protest“ auf. Mit Pegida-, Deutschland- oder Wirmer-Fahnen solle man beim nächsten Konzert auftauchen, so seine Aufforderung. Der Band gegenüber sagte er: „Genau das Spektrum, das Ihr nun mit Pegida, AfD und Asylkritikern umreisst, hat Euch, Frei.Wild, groß gemacht.“

Frei.Wild

12:13 Uhr

12:15 Uhr