Experten suchen Auswege aus Lebensmittelverschwendung

Die Maßnahme zur Lösung des Problems der Lebensmittelverschwendung gibt es nicht. Ex-Kommissar Fischler sieht ganze Kette vom Bauern bis zum Konsumenten gefordert.

Essen für den Müll: Verbraucher werfen zu viele Lebensmittel einfach in die Abfalltonne. (Symbolbild)
© dpa

Alpbach – In Österreich werden jedes Jahr hunderttausende Tonnen genießbare Lebensmittel weggeworfen. Am meisten von der Gastronomie (200.000 Tonnen), gefolgt von den Konsumenten (160.000 Tonnen) und dem Handel (75.000 Tonnen). Experten diskutierten am Mittwoch beim Forum Alpbach nach Auswegen aus der Lebensmittelverschwendung. Das Fazit: Die eine Maßnahme zur Lösung des Problems gibt es nicht.

„Wir sind nicht die Oberlehrer unserer Kunden. Wir schaffen Angebote und hoffen, dass der Konsument sie kauft“, sagte der Chef des größten Handelskonzerns Rewe, Frank Hensel, in Alpbach. Freilich aber habe niemand Freude daran, etwas wegzuschmeißen. „Das tut uns allen weh.“

Rewe verkauft seit einiger Zeit Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern, das es sonst nicht in den Handel geschafft hätte - als Maßnahme gegen die Wegwerfkultur. Was der Konsument dabei nicht verstehe, sei, dass es gewisse Obst- und Gemüsesorten nur temporär gebe und eben nicht das ganze Jahr, räumte Hensel ein.

Nach Franz Fischler, Präsident des Forums Alpbach, kann man das Problem nur in der ganzen Kette angehen. „Das fängt schon beim Bauern an. Landwirte bauen mehr an als nötig wäre, damit sie die Sicherheit haben, genug liefern zu können, falls das Wetter oder etwas nicht nach Plan läuft“, so der frühere EU-Kommissar. In der Lebensmittelindustrie entstehe viel Abfall und in den Supermärkten trage das verringerte Mindesthaltbarkeitsdatum ebenfalls nicht zur Lösung des Problems bei.

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Hensel nannte darüber hinaus stärkere Hygienekontrollen und „skurrile Dinge“ als Gründe, wie, dass frische Eier sieben Tage vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) aus dem Markt genommen werden müssen. „Das ist ein Horror. Wir müssen das alles einsammeln und verteilen“, so Hensel.

Aufessen statt wegwerfen lautet die Devise des Wiener Catering-Startups Iss mich!, das in Alpbach drei Wochen ein Pop-up-Restaurant betreibt und Lebensmittel verkocht, die sonst weggeworfen worden wären. Chef Tobias Judmaier will Bewusstseinsbildung betreiben und den Konsumenten dazu erziehen, zuerst in den Kühlschrank zu schauen, bevor er einkaufen geht.

„Der pädagogische Ansatz allein reicht nicht. Der wichtigste Ansatz ist ein Instrument, mit dem wir Dinge bewerten: Geld“, meinte Fischler. Die Frage sei, welchen Wert Lebensmittel haben und ob hier alles richtig laufe. Lebensmittel zu verteuern hält Rewe-Boss Hensel aber nicht als angemessene Lösung. (APA)


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