Ehrenamtliche Frauen bleiben unsichtbar

Ehrenamtliches Engagement ist in diesen Tagen gefragt. In welche Bereiche zieht es Frauen und in welche Männer? Tirol bleibt traditionsbehaftet.

Bei der Feuerwehr in Tirol macht der Frauenanteil über ein Prozent aus. 290.000 Personen sind in Tirol freiwillig tätig. (Symbolfoto)
© iStock

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Nach den Diskussionen über verdiente und unverdiente Auszeichnungen des Landes an Politiker möchte ÖVP-Chef LH Günther Platter künftig vor allem ehrenamtlich Tätige berücksichtigen. Gesondert hervorgehoben werden Ehrenamtliche mit der Ehrenamtsnadel, die alle zwei Jahre (zuletzt 2014) verliehen wird. Insgesamt wurden letztes Jahr rund 1100 Auszeichnungen vergeben, ein Drittel davon an Frauen. Diesen Umstand wiederum kritisiert SPÖ-Frauenvorsitzende Selma Yildirim. „Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit wird von Frauen erledigt. Weil sie aber oft nicht in offiziellen oder gewählten Funktionen aktiv sind, gehen Auszeichnungen und Ehrungen überproportional an Männer. Sie können diese Funktionen aber oft nur durch die Unterstützung von Frauen wahrnehmen.“ Abseits von prestigeträchtiger Aktivität könnten doch Kriterienkataloge um einiges erweitert werden. Zum Beispiel, „dass vorrangig Frauen vorgeschlagen werden sollen“.

Tatsächlich ist es so, dass Männer für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten außer Haus gehen und Frauen sie oft in ihrer engeren Umgebung erledigen. Und hier ist Tirol im Vergleich zum österreichischen Schnitt noch viel traditioneller strukturiert, deutet Martin Lesky, Leiter des Freiwillgen Zentrums Tirol Mitte, die Statistiken. Insgesamt sind 44,5 Prozent der Tiroler Frauen und 51,4 Prozent der Männer ehrenamtlich engagiert. In die Tätigkeiten sind einerseits formelle Aktivitäten enthalten, also bei Caritas, Feuerwehr, Bergrettung, Flüchtlingshilfe, Betreuung von Menschen mit Behinderungen in Vereinen. Andererseits wird auch viel freiwillige Hilfe informell, wie in der Nachbarschaftshilfe, geleistet. Warum die Frauen unsichtbarer und zahlenmäßig weniger sind, ist rasch geklärt. „Sie sind viel in der Nachbarschaftshilfe tätig“, erläutert Lesky. Dies würden sie als Selbstverständlichkeit empfinden. „Es kann daher sein, dass sie bei Umfragen nicht angeben, dass sie ehrenamtlich aktiv sind.“

Einen höheren Frauenanteil gibt es im kirchlichen Bereich. In Tirol sind dort 80 Prozent Frauen privat tätig, gefolgt von den Bereichen Bildung (69 Prozent) und Soziales (59 Prozent). In Männerhand liegen Katastrophenhilfe (89 Prozent), Sport (73 Prozent), Politik (66 Prozent) und Kulturwesen (58 Prozent). In diesen Vergleichen steckt ein weiterer Grund, warum Frauen nicht so offensichtlich in ihrer Hilfeleistung auftreten. Denn am personalintensivsten sind die Männerdomänen Freizeit und Kultur, Sport und Katastrophenhilfe. Erst an vierter Stelle liegt das Frauenrevier Kirche und Soziales.

Als Aushängeschild sind Frauen nicht immer zu gewinnen. So auch bei vielen Vereinen. Beim Alpenverein macht der Anteil der Funktionärinnen 30 Prozent (410) aus. „Viele Frauen unterstützen ihre Männer im Hintergrund“, weiß auch Gerald Aichner, Vorsitzender des OeAV-Landesverbands Tirol. Bei der Feuerwehr gibt es derzeit eine Ausbildnerin und eine Bezirksjugendsachbearbeiterin. Noch ein Beispiel: Bei der Rettung betreuen 8169 Personen (davon 3181 Frauen) Dienste wie Essen auf Rädern, Besuchsdienste oder Krisenintervention. Führungspositionen seien bedauerlicherweise vorwiegend männlich besetzt, heißt es bei der Rettung.

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Ob öffentliches Lob hilft? Lesky ist sich da nicht sicher. „Man könnte mehr Geschichten von Freiwilligen erzählen. Dabei könnte man den Blick auf Frauen richten. Denn Gutes passiert oft im Stillen.“ Genau das geschieht derzeit in der Flüchtlingshilfe. Da ein Bericht über eine Hebamme, dort einer über eine Pädagogin, die im Einsatz sind. Wie auch Lesky beobachtet, haben sich in den letzten Wochen zum großen Teil Frauen gemeldet. „Ob es hier eine Stunde pro Woche ist oder fünf Stunden, ist nicht zu zählen. Derzeit wird jeder Einsatz gebraucht.“


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