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Beißende Satire auf den zahnlosen Kunstbetrieb

Regisseur Wolfgang Becker und Schauspielstar Daniel Brühl haben für die Satire „Ich und Kaminski“ wieder zusammengearbeitet.

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Von Ludwig Heinrich

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Berlin –Vor zwölf Jahren machten Regisseur Wolfgang Becker und sein Hauptdarsteller Daniel Brühl mit der Komödie „Good Bye, Lenin!“ Furore. Jetzt sind sie wieder vereint, für die Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“. Eine bitterböse Satire über die Sucht nach Ruhm und die Rohheit der Medien.

Wann entstand der Plan, wieder zusammenzuarbeiten?

Wolfgang Becker: Noch bevor Daniel in „Rush“ Niki Lauda spielte. Ich wusste genau, dass er der Richtige für den aufgeblasenen Kunstjournalisten Sebastian Zöllner war und auch, dass er damit das Image des netten Buben von nebenan abstreifen konnte. Als wir planten, schrieb Daniel gerade sein Barcelona-Buch und übte für die Niki-Lauda-Rolle den Wiener Dialekt. Er hat ja ein riesiges Talent, Leute und ihre Sprache zu imitieren. Wenn er Til Schweiger nachahmt, liegen Sie! Und wenn er bei unserem Dreh aus dem WC kam und das ganze Team in Gelächter ausbrach, wusste ich, dass er hinter meinem Rücken gerade mich parodierte.

Daniel Brühl: Als mich Wolfgang wegen dieser Rolle ansprach, war ich verblüfft. Denn an sich hatte ich diesen Roman für nicht verfilmbar gehalten. Aber diesen Jammerlappen, dieses Arschloch Zöllner zu spielen, war natürlich eine tolle He­rausforderung. Vor allem in Zeiten, wo es in Deutschland immer heißt: Alle müssen sympathisch und lieb sein. Zöllners Gegenspieler Kaminski, ein richtig narzisstisches Arschloch, ist das ja auch nicht. Der lange Casting-Prozess erlaubte mir auch eine gute Vorbereitung, ich konnte mir für den Zöllner gewisse kleine Manierismen ausdenken. Besonders gut gefiel mir, dass er in seine Briefe schöne Gedichte von anderen einfließen lässt, und das funktioniert auch noch, in diesem Fall bei seiner Ex-Freundin. Ich gebe zu: Das habe ich in meiner eigenen Jugend auch gemacht.

Wie werkgetreu ist der Film?

Becker: Das Buch umfasst nur 174 Seiten, da kann man sich nicht vertun. Kehlmann ist in den Dialogen sehr stark. Er war sehr jung, als er das geschrieben hat, und er ließ in „Ich und Kaminski“ mit großer Weisheit die Alten reden. Ich habe vieles bewahrt, aber auch etwas dazugeschrieben. Daniel Kehlmann wollte gar keine 1:1-Umsetzung, ich schickte ihm zunächst ein Zwölf-Seiten-Konzept, danach fand er sein Buch wohl in den richtigen Händen. Der beste Beweis war dann, dass wir Freunde wurden.

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Womit haben Sie sich bei diesem Projekt schwergetan?

Becker: Mit der Finanzierung. Ich musste mehrere Geldgeber überzeugen, dass das eine spannende Sache sein konnte. Es war nicht einfach, weil die Hauptfiguren halt nicht sympathisch sind. Letztendlich hat man mir vertraut und mir das Geld gegeben, wenngleich nicht so viel, wie ich gebraucht hätte. Enttäuscht war ich von einem französischen Redakteur bei Canal Plus. Auch der warf mir vor, dass die Hauptfiguren Unsympathler sind. Dabei hingen hinter ihm an der Wand Poster von Filmen wie „Raging Bull“, „Clan der Sizilianer“ und „Ziemlich beste Freunde“. Alles Filme, in denen es eine Menge Unsympathler gibt. Aus Frankreich bekamen wir also kein Geld.

Brühl: Schwierig war für mich, bei meiner Figur die Balance zu halten. Nicht zu pampig, gemein, böse und laut zu sein. Dem Zöllner auch menschliche Züge zu geben.

Die nächsten Brühl-Filme sind „Colonia“ und „Zookeeper’s Wife“.

Brühl: In Ersterem bin ich ein linker Aktivist, der von einer Sekte gekidnappt und festgehalten wird. In Zweiterem ist es mir eine besondere Freude, Jessica Chastain als Partnerin zu haben. Sie hat diese ätherische Eleganz, wie sie die Stars der Dreißiger- und Vierzigerjahre hatten.


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