Bezirk Schwaz

Machtkampf in Mayrhofen

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Der Tourismusverband will sich nicht an den Kosten für den provisorischen Busbahnhof beteiligen und weniger als bisher für den Skibusbetrieb zahlen. Die Bergbahn reagiert innerörtlich mit Skibus-Einsparungen.

Von Angela Dähling

Mayrhofen –Viele Baustellen prägen Mayrhofen derzeit – sichtbare wie die der neuen Penkenbahn und die damit verbundenen straßenbaulichen Maßnahmen. Aber ebenso viele unsichtbare bzw. zwischenmenschliche.

Das Tauziehen, das mit dem Nein seitens der Mayrhofner Bergbahnen zur von vielen geforderten zweiten Zubringerbahn im Ort begonnen hat, geht nämlich weiter. Jüngster Schauplatz ist der Mayrhofner Bahnhof. Dort soll mit Beginn der Wintersaison ein provisorischer Busbahnhof fertiggestellt sein. Denn mit Inbetriebnahme der neuen Penkenbahn erhöht sich zu Spitzenzeiten der Bedarf an Skibussen beträchtlich. Schließlich wird die neue Bahn stündlich statt bisher 2000 künftig 3500 Personen befördern.

Der südliche Bereich des Bahnhofs soll ab 6. Oktober so adaptiert werden, dass künftig hier von der Zillertalbahn in die Skibuslinien zur Penken- und Ahornbahn umgestiegen werden kann. Mittels zu errichtender Rampe und Einschleifspur sollen die Busse auf die Zillertalstraße gelangen. „Die Kosten von rund 300.000 Euro sollen zwischen Zillertaler Verkehrsbetrieben, Bergbahn sowie Gemeinde mit TVB gedrittelt werden“, erklärt Projektkoordinator Jochl Grießer. Aufgrund von Talvertragsmittelzuschüssen entfielen am Ende je 35.000 Euro auf die Gemeinde und den TVB. So der Plan. Doch der Aufsichtsrat des TVB hat unter Vorsitz von Andreas Kröll (Christophorus Reisen) beschlossen, die 35.000 Euro nicht zu zahlen. Weil es nicht Aufgabe eines Tourismusverbandes sei, in Bushalte-Infrastruktur zu investieren, lautet die Begründung von TVB-Obmann und Hotelier Andreas Hundsbichler. Für die Gemeinde und die Bergbahn steht fest, den TVB-Anteil nicht zu übernehmen, wie BM Günter Fankhauser und Bergbahnvorstand Michael Rothleitner auf Nachfrage der TT bekräftigen.

Damit nicht genug. Auch rund um die Betriebskosten des Skibussystems schwelt ein Streit. Auch hier traf es Bergbahn, Gemeinde und TVB lange mit je einem Drittelanteil. Mit dem Wegfall der Getränkesteuereinnahmen verringerte sich der Betrag für die Gemeinde. Die Differenz übernahm die Bergbahn. Im Vorjahr beschloss der TVB-Aufsichtsrat, seinen Anteil zu deckeln. Zuletzt belief er sich auf 349.000 Euro, heißt es aus dem TVB-Büro. Umgerechnet würde dies 27 Cent pro Nächtigung bedeuten, erklärt Hundsbichler die interne Darstellung im TVB. „In Fügen sind es nur 25 Cent“, sagt er. Künftig sei man nur noch bereit, maximal 330.000 Euro für den Bus zu zahlen. Obwohl nachweislich mehr Skibusse als bisher aufgrund der leistungsfähigeren Bergbahn gebraucht werden.

Laut Hundsbichler und seiner Stv. Susanne Kröll soll bei der Kostenaufteilung das „Verursacherprinzip“ angewendet werden. Von jenen Gästen, die mit der Zillertalbahn nach Mayrhofen kommen und vom Bahnhof direkt zur Bergbahn gebracht werden, profitiere die Bergbahn durch den Verkauf der Liftkarte und nicht der Ort. TVB-GF Andreas Lackner gibt zu bedenken, dass sich der TVB an Kosten für den Gletscherbus und den Skibus in die Zillertal Arena beteilige sowie die Skibusse von Brandberg und Ginzling zahle.

„Ich glaube, dass Mayrhofen sich nicht die Frage stellen sollte, wer Verursacher des Wohlstandes ist“, entgegnet Rothleitner. Er wisse, dass es im Ort Bedenken gebe, dass die Bergbahn ein zu mächtiges Skibussystem betreibe. Zu Spitzenzeiten sei dies aber nötig. Die Bergbahn hat aber nun eine innerörtlich stark abgespeckte Skibusanzahl bei den Zillertaler Verkehrsbetrieben (ZVB) bestellt. „Wenn die am Bahnhof ankommenden Gäste nicht gern gesehen werden, werden sie von uns mit einem ausgereiften System zur Bergbahn gebracht“, sagt er und kontert: „Innerörtlich sehen wir im Umkreis von 300 Metern zur Bergbahn keine Skibus-Kapazitäten vor. Es macht keinen Sinn, den Ort mit Bussen zu verstopfen, wenn die Bergbahn fußläufig zu erreichen ist.“ Die innerörtliche Achterlinie werde daher mit weniger Bussen bestückt, als einst von Verkehrsplanern vorgesehen. Die ZVB haben daraufhin den TVB auf drohende Skibusengpässe hingewiesen. TVB und Bergbahn wollen sich daher heute nochmals an einen Tisch setzen.

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