Osttirols Weltmeister Gall stehen viele Türen offen
Rad-Junior Felix Gall (17) verblüffte schon lange vor seinem Weltmeistertitel in Richmond (USA). Der Osttiroler hat in der Zukunft einiges vor.
Von Florian Madl
Innsbruck, Richmond –Wie verbringt ein Mensch, der am Vortag Weltmeister geworden ist, seinen Tag? Felix Gall (17), der Pfeifmirnix aus Nussdorf/Debant, ging gestern Radfahren. „Eine gemütliche Runde“, erklärte der Osttiroler am Telefon. Gall gibt Rätsel auf: Was steckt in dem Burschen, der sich im zweiten Jahr seiner Laufbahn zum Weltmeister kürte?
1 Laufbahn: Mit 14 begann die Wettkampf-Laufbahn Felix Galls – als Triathlet. „Aber Radfahren hat mir immer besonders gut gefallen.“ Aufgefallen ist das vor allem Günther Feuchtner, Obmann des RC ARBÖ Tom Tailor Raika Wörgl: „Er ist mir sofort aufgefallen, da habe ich ihn angesprochen.“
2 Erfolge: „Er ist eine andere Liga“, glaubt Feuchtner an sein Rennpferd im Wörgler Stall. Bewiesen hat das der 17-Jährige, erst seit heuer in der Junioren-Kategorie, hinlänglich, etwa bei der österreichischen Meisterschaft: Sieg beim Bergrennen, anderntags auch im Kriterium. Und gestern bei der WM.
3 Zurückgeschlagen: Vor einem Jahr war Felix Gall bei der Nachwuchs-Europameisterschaft in Estland Vierter des Zeitfahrens. „Der Weltmeistertitel war für mich eine Art Revanche“, grinste der Osttiroler. Noch vor der WM hatte er einen Top-15-Platz angepeilt.
4 Schlitzohr: „Felix hat zwar nur um Radbreite gewonnen, aber bei ihm könnte sogar das geplant sein.“ Wörgl-Obmann Feuchtner weiß um die Kaltblütigkeit seines Schützlings. Der würde eine Fähigkeit beherrschen, die im Radsport von besonderer Bedeutung ist: nicht mehr Energie verschwenden als notwendig. Dem Jetlag in Richmond (-6 Std im Vgl. zu Europa) schlug Gall mit spätem Schlafengehen ein Schnippchen.
5 Umfeld: Wenn man nach Felix Gall fragt, fällt im nächsten Atemzug der Begriff bodenständig. Dementsprechend bedankte sich der Weltmeister wenige Stunden nach seinem Triumph: bei den Eltern Herbert und Petra, „die keine Fanaten sein“, bei Wörgl-Obmann Günther Feuchtner und bei Nationaltrainer Jure Pavlic. „Jeder von ihnen hat seinen Teil dazu beigetragen, dass mir das gelang.“
6 Ziele: „Ich will Profi werden – aber das will in meinem Alter wohl jeder.“ Felix Galls Ziele sind klar definiert, der Weg nach oben soll über ein Team der Continental-Kategorie erfolgen. Das Tirol Cycling Team wäre eines, aber möglicherweise weckt der WM-Titel des Osttirolers auch Begehrlichkeiten im Ausland. Den Weg über die Grenze ebnen könnte mit Sky-Profi Bernhard Eisel einer, den der 17-Jährige noch am ehesten als sein Vorbild bezeichnen würde. Wörgl-Obmann Günther Feuchtner, Galls Mentor, glaubt: „Er ist noch mitten im Geschehen. Mit Bernhards Kontakten könnte der Sprung in die nächste Liga gelingen.“
An der Bereitschaft Felix Galls soll es nicht liegen. Angesprochen auf die heutige Heimreise und die Sehnsucht nach Zuhause meint er: „Mir gefällt das Reisen sehr gut!“