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Portugal-Wahl: Harter Sparer gegen „Gandhi von Lissabon“

Lissabon (APA) - Wenn die Portugiesen am kommenden Sonntag zu den Urnen gerufen sind, haben sie mit dem amtierenden konservativen Premiermin...

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Lissabon (APA) - Wenn die Portugiesen am kommenden Sonntag zu den Urnen gerufen sind, haben sie mit dem amtierenden konservativen Premierminister Pedro Passos Coelho und dem sozialistischen Oppositionsführer Antonio Costa die Wahl zwischen zwei politischen Schwergewichten.

Pedro Passos Coelho (51) gilt als zielstrebig und pragmatisch. Die Politik war schon immer seine große Leidenschaft. Bereits mit vierzehn Jahren trat Passos Coelho der Jugend der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) bei, die er von 1991 bis 1999 in der Nationalversammlung vertrat.

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Sein frühes politisches Engagement ließ ihn erst mit 37 Jahren 2001 sein Studium der Wirtschaftswissenschaften abschließen. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst einige Jahre als Finanzmanager in verschiedenen Investmentunternehmen.

2011 wurde der dreifache Vater, der zum zweiten Mal verheiratet ist, schließlich zum PSD-Vorsitzenden gewählt und gewann die Parlamentswahlen gegen den damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Jose Socrates. Viele trauten ihm damals noch nicht zu, das Land heil durch die Wirtschaftskrise zu führen. Doch er zog die harten Spar-Reformprogramme der Troika, die Portugal mit einem Rettungsschirm von 78 Milliarden Euro vor der Pleite retten musste, konsequent gegen den Widerstand der Bevölkerung durch. Selbst als seine Partei 2013 wegen der Austeritätspolitik eine empfindliche Niederlage bei den Kommunalwahlen hinnehmen musste, hielt er unbeirrt an seinem Sparkurs fest, der mittlerweile zur deutlichen Verbesserung der Wirtschaftslage beigetragen hat.

Auch sein sozialistischer Gegner bei den Parlamentswahlen am Sonntag ist ein Vollblutpolitiker. Doch im Gegensatz zum eher seriösen Manager pflegt Antonio Costa (54) ein Image als einfacher Mensch und gut gelaunte Frohnatur. Er gilt als unkompliziert und bescheiden. Schon als Bürgermeister von Lissabon wurde er mit seinen sozialpolitischen Initiativen zum Liebling der portugiesischen Arbeiterklasse, die ihm wegen seiner indischen Herkunft den Spitznamen „Gandhi von Lissabon“ gab.

Costa kann ebenfalls auf eine beeindruckende politische Laufbahn zurückblicken. 1991 wurde der Anwalt Mitglied seiner Sozialistischen Partei (PS) im Parlament. Schon kurze Zeit später wurde er Staatssekretär im Ministerium für Parlamentsangelegenheiten. Bevor er 2007 zum Bürgermeister Lissabons gewählt wurde, war der zweifache Familienvater Justiz- und Innenminister der sozialistischen Regierung unter Jose Socrates.

Als Bürgermeister der Hauptstadt gehörte er zu den wenigen PS-Politikern, die in den folgenden Jahren trotz der unpopulären Sparpolitik ihrer Regierungspartei keine Stimmen verloren. Bei den Kommunalwahlen 2013 hielt er Lissabon, während die PS landesweit kaum vom Absturz der beiden regierenden konservativen Parteien profitierte. 2014 setzte sich der beliebte Charismatiker mit fast 70 Prozent der Stimmen gegen den bisherigen PS-Generalsekretär Antonio Seguro durch.

Den Portugiesen verspricht Costa einen sozial verträglichen Neustart, ohne jedoch von der auch von ihm als notwendig angesehenen Reformpolitik abweichen zu wollen.


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