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„Oh schon so spät“: Aktualität der Anti-Kunst

Nach dem Stadtmuseum erinnert nun auch die Imster Hörmann-Galerie an den unvergleichlichen Egon Scoz.

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Porträts des Künstlers und eine Reihe von Zeichnungen, Gouachen und Malereien des Künstlers sind derzeit in Imst zu sehen.
© Galerie Hörmann

Von Ivona Jelcic

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Imst –„Volle Scheiße“, wie es gleich eingangs auf einer Kreidezeichnung heißt, mag diese Welt zwar manchmal scheinen. Aber sie ist immerhin nicht ganz ohne Hoffnung. Und schon gar nicht ohne Farbe. Jedenfalls nicht im Universum von Egon Scoz, besser bekannt als egone: bunter Hund, Nonkonformist, Bildbotschafter, Zeichensetzer, künstlerischer Autodidakt, Schöpfer einer eng ans eigene (Er)Leben geknüpften Anti-Kunst, Innsbrucker Pop Artist der 1980er und 1990er Jahre. Vergangenes Jahr erinnerte eine Ausstellung im Innsbrucker Stadtmuseum an den 2002 im Alter von nur 51 Jahren verstorbenen Künstler, jetzt ist Kurator Elio Krivdic mit dem unverkennbaren egone-Kosmos in die Imster Galerie Theodor von Hörmann weitergewandert.

Allerdings nicht, um dort die gleiche Schau wie 2014 zu präsentieren. Vielmehr soll hier anhand verschiedener Werkgruppen und Zusammenschauen eine „kritisch engagierte künstlerische Denkweise“ beleuchtet werden. Das Leitthema „Friede“ klingt dabei so naiv und unschuldig, wie egones Bildwelten auf den ersten Blick oft daherkommen. „Friede ist wunderbar“ titelt eine Zeichnung aus dem Jahr 1980, 1987 wurde Scoz Preisträger der Stadt Innsbruck bei einem Malwettbewerb zum Thema Frieden. Zur poetischen Utopie gesellt sich aber auch der kritische, ironische, seltener zornige Kommentar zu Alltagsereignissen, Weltgeschehen, persönlichem Erleben – als Text-Elemente in Gouachen und Kreidezeichnungen eingeflochten. Dass viele davon keineswegs gestrig, sondern nach wie vor aktuell wirken, ermöglicht einen hübschen gedanklichen Brückenschlag zu egones Betätigung auch als Objektkünstler. Seine Uhrendesigns etwa verzichten mitunter auf die Zeiger, weil die aufs kreisrunde Ziffernblatt gemalte Feststellung „Oh schon so spät“ ja ohnehin reicht.

Dass Scoz auch aus dem in Innsbruck verspätet angekommenen Geist der 68er-Bewegung und der Beatniks schöpfte, zeigen in seinen Bildern auftauchende Protagonisten wie Tuli Kupferberg und Allen Ginsberg. Auch der Zyklus „Das Melodrama der Popmusik“ ist in Imst zu sehen – schade, dass man die Songs nicht wie in Innsbruck nachhören kann. Eröffnung heute, 19 Uhr.

Uhrendesign à la egone.
© Galerie Hörmann

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