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Neue Literaturjury-Sprecherin: Der Nobelpreis wird weiblicher

Stockholm (APA/dpa) - Über 200 Jahre lang hatten Männer in der Schwedischen Akademie das Sagen. Mit der Literaturkritikerin Sara Danius (53)...

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Stockholm (APA/dpa) - Über 200 Jahre lang hatten Männer in der Schwedischen Akademie das Sagen. Mit der Literaturkritikerin Sara Danius (53) steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der traditionsreichen „Achtzehn“, die über den schillerndsten Literaturpreis der Welt entscheiden. Im dpa-Interview spricht die Ständige Sekretärin der Nobelpreisjury über Feminismus, Geheimniskrämerei und kalte Füße vor dem großen Tag.

Frage: Frau Danius, macht es einen Unterschied, dass die Schwedische Akademie mit ihnen jetzt eine Chefin hat?

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Antwort: Mal sehen! Es war ja auch sehr wichtig, als Angela Merkel gewählt wurde. Auch in Schweden gibt es seit etwa zehn, fünfzehn Jahren viele Frauen in wichtigen Positionen in der Gesellschaft - Wirtschaft, Banken, Industrie, Kultur und so weiter. Es gibt eine Bewegung.

Frage: Was entgegnen Sie Kritik, dass der Nobelpreise zu oft in den Westen - und zu oft an Männer geht?

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Antwort: Dass es überhaupt nicht merkwürdig ist. Was erwartet man? Alle großen und wichtigen Institutionen haben leider diese Geschichte. Aber wir können jetzt sehen, dass es Veränderungen gibt. In der Schwedischen Akademie hat es in 229 Jahren insgesamt neun weibliche Mitglieder gegeben. Im Moment haben wir sechs, und das ist ja eine richtige und wichtige Tendenz. Historisch gesehen war die Akademie von Männern und dieser alten Tradition beherrscht.

Frage: Hält die Jury heute verstärkt Ausschau nach Frauen, die nobelpreiswürdig sein könnten?

Antwort: Es gibt eigentlich nur ein Kriterium: Qualität. Das ist alles. Aber wenn man sich die Nobelpreisträger der letzten 25 Jahre ansieht, kann man eine Tendenz sehen, dass es viel mehr Frauen gibt, ja, fast 30 Prozent sind Frauen.

Frage: In früheren Jahren ist schon einmal zu den Medien durchgedrungen, wer den Nobelpreis bekommen könnte. Heute passiert das gar nicht mehr. Woran liegt das?

Antwort: Meinen drei Vorgängern - die alle noch dabei sind - war es sehr, sehr wichtig, keine undichten Stellen zu haben. Sie haben sich ganz viel Arbeit damit gemacht, alles einzuschränken.

Frage: Was haben Ihre Vorgänger Ihnen denn mit auf den Weg gegeben?

Antwort: Nur, dass ich ich selbst sein soll.

Frage: Und wie nervös sind Sie vor dem Moment, in dem sie zum ersten Mal den Literaturnobelpreisträger verkünden?

Antwort: Ich bin nicht nervös, aber ein bisschen angespannt. Aber das ist ja normal. Ich habe schon ganz viele öffentliche Veranstaltungen mitgemacht und Vorträge gehalten, das ist eigentlich kein Problem. Aber das ist ein Ereignis - ein Medienereignis! Und mit Blitzen. Wenn man die Tür öffnet, ist das wie ein Blitzlichtkrieg.

ZUR PERSON: Sara Danius (53) hat sich nicht nur als Literaturkritikerin einen Namen gemacht, sondern auch Bücher über Kochen und Keramik geschrieben. Außerdem arbeitete die heutige Professorin für Literaturwissenschaft an der Uni Stockholm schon als Croupière in einem Casino. Seit Juni ist die Stockholmerin Chefin der Schwedischen Akademie und Ständige Sekretärin des Nobelpreis-Komitees. In der Akademie, die ihre Mitglieder auf Lebenszeit ernennt, sitzt sie seit 2013 auf „Stuhl Nr. 7“.

(Das Gespräch führte Julia Wäschenbach/dpa)


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