Virgen bleibt bei Kraftwerk, Prägraten denkt nach

Das geplante Kraftwerk Virgental wurde von Gemeinden und Planern wegen Natura auf Eis gelegt. Sorge um Mehrkosten gibt es nicht.

© Brunner

Von Catharina Oblasser

Virgen, Prägraten –„Wir haben nicht aufgehört, sondern nur ausgesetzt. Wir wollen rechtliche Sicherheit haben. Dann wird es weitergehen.“ So überzeugt ist der Virger Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler davon, dass das Kraftwerksprojekt „Wasserkraft Obere Isel (WKOI)“ noch nicht gestorben ist.

Wie berichtet, hatte die WKOI mit Geschäftsführer Ruggenthaler die Behörde in Innsbruck ersucht, das UVP-Verfahren zum Kraftwerk, das seit 2012 läuft, ruhend zu stellen. Begründung: die rechtliche Unsicherheit, welche Auswirkungen das geplante Natura-2000-Gebiet auf das Projekt haben wird. Frühestens in einem Jahr werde die EU die Isel in die Natura-2000-Liste aufnehmen, erst dann könne das Land eine Verordnung erlassen, die Rechtssicherheit bietet.

Das sagt auch Anton Steiner, Bürgermeister von Prägraten. Die Gemeinde ist zusammen mit Virgen und der Planungsfirma Infra an der WKOI beteiligt. Ob das Kraftwerksprojekt jemals wieder aufgenommen wird? „Die Möglichkeit besteht nach wie vor“, meint Steiner. „Die Energiestrategie des Landes sieht Kraftwerke vor, und irgendwo müssen die ja stehen.“ Sollte das Vorhaben doch nicht zu verwirklichen sein, müsse man sich nach anderen Möglichkeiten umsehen. Da verweist Steiner wieder auf ein Modell aus der Schweiz, wonach die Gesellschaft Gemeinden dafür eine Abschlagszahlung anbietet, wenn sie ihre schöne Natur eben nicht verbauen und für die Allgemeinheit erhalten. „Dieses Denken ist in Tirol noch nicht angekommen, doch es wäre zumindest ein Signal.“

Was die bisher entstandenen Kosten betrifft, so beharren sowohl Steiner als auch Ruggenthaler darauf, dass es pro Gemeinde nur um jeweils 50.000 Euro gehe. „Das ist die Summe, die wir in die WKOI eingebracht haben“, sagt Steiner. Alle anderen Kosten für Planung oder Gutachten würden die Gemeinden nicht betreffen. Die Kosten für das Kraftwerk Obere Isel sind mit 147 Millionen Euro veranschlagt. An Ertrag erwarteten sich Virgen und Prägraten 400.000 Euro pro Jahr.

Anders als die Bürgermeister geht Rita Feldner von der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk davon aus, dass aus dem Projekt nichts mehr wird. „Warum wird das Verfahren nicht gleich eingestellt, statt nur zu ruhen?“, meint sie. „Das Projekt ist ohnehin nicht genehmigungsfähig.“ Schon bevor die Planung losging, habe die Bürgerinitiative vorgeschlagen, erst das Ergebnis des Natura-2000-Prozesses abzuwarten. „Jetzt ist eingetreten, wovor wir gewarnt haben“, sagt Feldner.

Mittlerweile hätten sich laut Bürgerinitiative drei Millionen Euro an Kosten angehäuft. Dass die beiden Gemeinden da nicht betroffen seien, bezweifelt Feldner. „Irgendwann muss das auf den Tisch. Aber wohl nicht mehr vor den Wahlen.“


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