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Slowenien bereitet sich auf Ankunft weiterer Flüchtlinge vor

Ljubljana (APA) - Nach dem ersten Flüchtlingsstrom, der Slowenien vor zwei Wochen erreichte, blieb die Lage im Land zunächst ruhig. In den v...

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Ljubljana (APA) - Nach dem ersten Flüchtlingsstrom, der Slowenien vor zwei Wochen erreichte, blieb die Lage im Land zunächst ruhig. In den vergangenen zehn Tagen kamen keine neuen Flüchtlinge an. Nun bereitet man sich intensiv auf einen neuen Zustrom vor. Wann es dazu kommen wird, hängt maßgeblich von Ungarn und seiner Absicht ab, die Grenze mit Kroatien zu schließen.

Es gebe durchaus die Möglichkeit, dass Ungarn seine Grenze mit Kroatien dichtmache, sagte die slowenische Innenministerin Vesna Györkös Znidar Anfang der Woche nach einem Treffen mit ihrem ungarischen Amtskollegen. Sobald Ungarn das umsetze, werde sich die Flüchtlingsroute mit großer Wahrscheinlichkeit von Kroatien nach Slowenien verlagern.

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Derzeit kommen in Ungarn täglich tausende Flüchtlinge an auf und leitet sie weiter nach Österreich. Gleichzeitig wird aber an der grünen Grenze mit Kroatien ein Grenzzaun aufgebaut, der laut Medienberichten bald fertiggestellt sein soll.

Ob Ungarn dann die Grenze mit Kroatien - wie zuvor jene mit Serbien - dichtmacht, hänge davon ab, ob Österreich und Deutschland weiterhin Flüchtlinge aufnehmen werden, spekulierten kroatische Medien. Werde die Grenze geschlossen, plane Zagreb die Route nach Slowenien umzuleiten, hieß es.

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Damit rechten man offenbar auch Ljubljana. Die Behörden beider Länder seien im Kontakt, hieß es aus dem slowenischen Innenministerium auf APA-Anfrage. „Wir sind zuversichtlich, mit der kroatischen Seite entsprechende Vereinbarung treffen zu können, um den Migrantenstrom effektiv zu beherrschen“, hieß es.

Slowenien bereitet sich derzeit auf ein Szenario vor, dass die Ankunft von bis zu 10.000 Flüchtlingen pro Tag vorsieht. Der erste Flüchtlingsstrom ist laut dem Polizeidirektor Marjan Fank nur eine Generalprobe gewesen. „Jetzt steht uns eine deutlich stärkere Belastung bevor“, sagte er zur Tageszeitung „Vecer“ (Freitagsausgabe). Zuletzt passierten rund 3.600 Flüchtlinge Slowenien.

In insgesamt 16 Flüchtlingsunterkünften gibt es nach Angaben des Innenministeriums derzeit Platz für mehr als 6.000 Menschen. Zudem bemühe man sich, die Kapazitäten noch aufzustocken, hieß es. Unmittelbar an der Grenze zu Österreich entsteht die größte Notunterkunft im Land, ein Zeltlager mit Kapazität für 2.000 Menschen.

Auch Slowenien rechten nämlich damit, dass Österreich und Deutschland weiterhin Flüchtlinge aufnehmen. „Unser Ziel ist es, den Flüchtlingsstrom über den kürzesten Weg zu leiten. Wenn Österreich nach wie vor willig ist, die Flüchtlinge zu übernehmen, dann ist dies der beste Ausreisepunkt“, sagte zuletzt der Staatssekretär im Innenministerium, Bostjan Sefic.

Das größte Zeltlager wird auf dem ehemaligen Grenzübergang Sentilj/Spielfeld aufgestellt. Auf zwei Lkw-Parkplätzen sind insgesamt 12 Großzelte vorgesehen, in denen maximal 2.000 Menschen versorgt werden können, hieß es am Freitag aus dem slowenischen Katastrophenschutz auf APA-Anfrage. Der Zeltlager sei noch nicht ganz fertiggestellt.

Den Plänen zufolge werden die Flüchtlinge dort komplett versorgt sein können, auch medizinische Betreuung ist vorgesehen. Das Lager wird mit Sanitäranlagen ausgestattet sein, die Zelte wird man beheizen können, die Flüchtlinge werden auch warme Mahlzeiten bekommen, hieß es. Der Zivilschutz sowie Freiwillige des slowenischen Roten Kreuzes und der Caritas sollen in dem Lager für die Flüchtlinge sorgen.

In der Nähe der österreichischen Grenze in Steiermark sind noch weitere Unterkünfte geplant. Auf dem Messegelände in Gornja Radgona, unweit von Bad Radkersburg, sind derzeit Betten für rund 830 Menschen vorgesehen, die Kapazität dort kann aber noch vergrößert werden. Weitere Unterkünfte gibt es noch in Lenart (für 200 Personen), Maribor (100) und Slovenj Gradec (80). In Lendava, nah der Grenze mit Ungarn und Kroatien, steht ein weiteres Zeltlager mit Kapazität für rund 600 Menschen. Weitere Unterkünfte befinden sich in Ljubljana, Vrhnika, Logatec, Postojna, Celje und in Debeli Rtic an der Küste.

Slowenien hat inzwischen auch die Aufnahmelager an der Grenze umdisponiert. Nach wie vor rechnet man mit dem Zustrom im Südosten des Landes an den Grenzübergängen Obrezje und Rigonce, die etwa 30 Kilometer von Zagreb entfernt sind. Weitere Punkte, über die Flüchtlinge ankommen könnten sind im Nordosten des Landes: auf den Grenzübergängen Gruskovje und Petisovci an der Grenze zu Kroatien sowie am ehemaligen Grenzübergang mit Ungarn in Dolga vas.


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