Mit Frauenhand zu Frauenmacht

Das Kaffeegeschäft ist eine Männerdomäne. Eine Frauenkooperative aus Honduras will das ändern. Die Kaffeeproduzentin Cruz Dolores Benitez Espinoza erzählt wie.

Von Andrea Wieser

Innsbruck –„Ich bin hier, um mit ihnen die Geschichte unseres Kaffees aus Frauenhand zu teilen“, sagte Cruz Dolores Benitez Espinoza. Die 40-jährige Kaffeeproduzentin war gestern zu Gast im Innsbrucker Weltladen. Mitgebracht hatte sie den Kaffee „Adelante“. Das spanische Wort bedeutet „vorwärts“ und genau dorthin wollen Benitez Espinoza und ihre Mitstreiterinnen.

Gemeinsam mit 30 anderen Frauen, die sie seit 20 Jahren begleiten, hat sie die Genossenschaft Aprolma (Asociación de Productoras Libres de Marcala) gegründet. Ihr Ziel: in Honduras Kaffee aus Frauenhand zu produzieren. Bisher waren Frauen von leitenden Positionen im Kaffeeanbau komplett ausgeschlossen.

Das Zuhause der Kooperative liegt in Marcala im mittelamerikanischen Honduras. Gemeinsam haben dort rund 70 Kleinbäuerinnen die Kontrolle über die Produktion und die Vermarktung ihres Bio-Kaffees in die Hand genommen. Sie bebauen nicht nur ihr eigenes Land von durchschnittlich 1,5 Hektar, sie erzielen auch ein eigenes Einkommen. Insgesamt bewirtschaften sie rund 97 Hektar Land und gewinnen 106 Tonnen Rohkafffee pro Erntejahr.

© Thomas Boehm / TT

65 Prozent einer Packung Kaffee „Adelante“ stammen schlussendlich aus Honduras, der Rest wird aus einer Partnerkooperative aus Uganda beigesteuert. Für den Import nach Österreich hat man „EZA fairer Handel“, eine Organisation, die sich für einen gerechteren Nord-Süd-Handel stark macht hat, gefunden. Unter der Ägide von EZA wird der Kaffee in der Rösterei Schreyögg im Südtiroler Partschins genussfertig gemacht und verpackt. Die Katholische Frauenbewegung ist ein weiterer Partner bei der Platzierung des Bio-Produkts in Österreich.

© Adelante

Die Formulierung „aus Frauenhand“ bezieht sich bei Aprolma nicht konkret auf das Ernten oder Verarbeiten der Bohnen, sondern vielmehr auf die Verteilung der Machtpositionen. Die Finanzen und Entscheidungen liegen bei den Frauen. Bei der Ernte hilft aber sehr wohl die ganze Familie mit. Auch die Männer. Sofern sie noch da sind. „Manche Männer sind geblieben“, erzählt Benitez über die Ehen, die die Neuerungen überdauert haben. „Doch andere Männern sind weg.“ Der Bruch mit den Konventionen sei für manche nicht tragbar gewesen. Die klassischen Rollenbilder seien noch zu stark ausgeprägt.

Die Organisation Amnesty International stellt dem Land laut dem „International Report 2014/15“ ein katastrophales Zeugnis aus. Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen sei weit verbreitet. Seit 2009 ein Putsch den amtierenden Präsidenten José Manuel Zelaya absetzte, sei die Situation sogar noch schwieriger geworden. „Und das, obwohl auch viele Frauen und junge Menschen damals für positive Veränderungen auf die Straße gegangen sind“, meint Benitez Espinoza.

Es braucht Mut, als Frau im lateinamerikanischen Honduras nach der Macht zu greifen. „Frauen sollen sich entfalten und mitgestalten können. Nicht nur auf der Ebene der Gemeinde, sondern auch in Positionen, die die Politik und die Situation in diesem Land verändern“, fordert Benitez Espinoza. Mit dem Export nach Österreich ist sie ihrem Ziel einen weiteren Schritt näher gekommen.

Hier wird der Kaffee in den Weltläden zu haben sein. Der Absatz über Fair-Trade-Unternehmen ist für die Kafeebäuerinnen die einzige Chance, Gewinne zu erwirtschaften. „Wenn wir an den konventionellen Markt verkaufen würden, müssten wir unseren Kaffee verschenken, auch wenn er von guter Qualität ist“, betont Benitez Espinoza.


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