Kaci Kullmann Five - Das neue Gesicht hinter dem Friedensnobelpreis

Oslo (dpa) - Kaci Kullmann Five will am liebsten gar keine Presse. Die Lippen sind zusammengepresst, die Augen blicken streng. Die neue Vors...

Oslo (dpa) - Kaci Kullmann Five will am liebsten gar keine Presse. Die Lippen sind zusammengepresst, die Augen blicken streng. Die neue Vorsitzende des norwegischen Friedensnobelpreiskomitees möchte vor der Verleihung am 9. Oktober eigentlich gar keine Interviews geben.

Dabei sollte die erfahrene Höyre-Politikerin und ehemalige Handels- und Schifffahrtsministerin doch eigentlich wissen, wie man unangenehmen Fragen von Journalisten ausweicht. Erst nach langer Diskussion willigt sie ein: Sie darf zitiert werden.

Die 64-jährige Kullmann Five hat im März dieses Jahres einen verantwortungsvollen Posten übernommen. Nach 12 Jahren als Mitglied rückte sie an die Spitze des Komitees, das den wohl prestigeträchtigsten Preis der Welt vergibt. „Ich staune immer noch, dass der Friedensnobelpreis, ausgelobt von einem Komitee von fünf meist völlig unbekannten Norwegern, so bedeutend wurde“, sagt Kullmann Five. Und man glaubt ihr die Ehrfurcht vor dem Posten. „Wir fühlen alle eine große Verantwortung auf unseren Schultern.“

Unangenehme Fragen hat die energische Frau, die in Norwegen lange vor allem wegen ihrer Bobfrisur jedem bekannt war, trotzdem zu fürchten. Denn der Thronwechsel war nicht ganz unproblematisch. Seit 2009 wurde das Osloer Nobelkomitee von Thorbjörn Jagland geleitet. Der Sozialdemokrat war umstritten. Unter seiner Führung wurden US-Präsident Barack Obama, die Europäische Union und der chinesische Dissident Liu Xiaobo ausgezeichnet. Letzteres führte zum Einfrieren der politischen Beziehungen zwischen China und Norwegen.

Jaglands Abwahl war ein einmaliges Ereignis in der Geschichte des Komitees und wurde als Einflussnahme der rechts-konservativen Regierung gewertet. Deshalb beeilt sich Kullmann Five auch, die Unabhängigkeit des Gremiums zu betonen: „Wenn jemand denkt, ich wäre nachgiebiger, wenn es um die Menschenrechte geht, um China oder andere als Thorbjörn Jagland, kennt er mich nicht gut. Ich stehe mit vollem Herzen hinter allen Preisen.“

In Zukunft muss sie den Kopf hinhalten, wenn die Wahl des Friedensnobelpreisträgers nicht jedem gefällt. „Es wird immer mehrere Meinungen darüber geben, welcher Weg der beste ist, einen Konflikt zu lösen“, sagt Kullmann Five und ihre Augen bekommen wieder den entschlossenen Blick, der sagt: Ich nehme den Kampf auf.

Kämpfen, das kann die studierte Staatswissenschaftlerin, die neben einer politisch aufregenden Karriere zwei Kinder groß gezogen und eine Krebserkrankung überstanden hat. Seitdem trägt sie die Haare kurz, und es gefällt ihr. „Ich glaube, ich lasse das so.“

Kullmann Five will sogar, dass der Friedensnobelpreis auch in Zukunft ein Preis ist, über den man sich streiten kann. „Uneinigkeit und hitzige Diskussionen sind nicht das Ziel unserer Arbeit, aber eine unvermeidbare Konsequenz. Dieser Preis wird weiterhin mehr sein als eine Ehrung des Preisträgers.“


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