Österreicher sind Olympia-Muffel

Beim Camp Beckenbauer in Kitzbühel, einem Treffen der Fädenzieher im Weltsport, sorgte gestern eine Umfrage zur Olympia-Begeisterung für Aufsehen. Österreich lag dabei wenig überraschend am Ende des Rankings.

© imago/IPON

Von Florian Madl

Kitzbühel –Es vergeht kein Jahr, in dem Österreich nicht mit der Bewerbung für Olympische Spiele in Zusammenhang gebracht wird. Als IOC-Präsident Thomas Bach im Juni Wien besuchte, kam das Thema Winterspiele unweigerlich zur Sprache. „Warum nicht?“, fragte der Deutsche damals in die Journalisten-Runde. Man habe, hieß es sinngemäß, mittlerweile auch kleineren Ländern wieder die Tür geöffnet.

Zuvor war das Thema 2014 auf dem Tapet, als Wien im Rahmen eines Referendums die Zustimmung für Sommerspiele 2028 erhob. Das Ergebnis: Knapp 72 Prozent votierten dagegen. Und das, obwohl Bürgermeister Michael Häupl als Chef-Trommler auftrat.

Möglicherweise unternimmt man in Tirol, Schauplatz der Winterspiele 1964 und 1976, noch einmal einen Anlauf mit Bayern und Südtirol. Die Fertigstellung des Brennerbasistunnels im Jahr 2026 verleiht dieser Vision einer grenzüberschreitenden Initiative Nahrung. Bei Winterspielen 2030 hätte man zumindest einen Teil des latenten Verkehrsproblems auf Schiene.

Noch ist dahingehend Vorarbeit zu leisten, wie die jüngste Umfrage in zwölf Ländern (12.000 Befragte) widerspiegelte: Nur in Norwegen (35 % dafür) war demnach die Zustimmung geringer als in Österreich (40 %), wie der deutsche Studienleiter Sascha Schmidt gestern im Rahmen des Camp Beckenbauer erläuterte. Im Gegenzug erwiesen sich die USA (76 %) und Polen (66 %) als wahre Olympia-Fans. Die Österreicher mögen bei Großveranstaltungen gebrannte Kinder sein, jedenfalls lässt die Reihung der für sie wichtigsten Faktoren darauf schließen:

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1 Nachteile: Die dürften der Bevölkerung nicht entstehen. Das gilt beispielsweise für Verkehrsaufkommen oder Teuerung.

2 Transparenz: Weiße Elefanten, also Millionen-Bauten ohne Nachnutzung – davon will niemand etwas wissen.

3 Umwelt: Eingriffe würden kritisch beäugt, daran scheiterten schon Bewerbungen. In Peking indes, wo 2022 Winterspiele stattfinden, wird ein neues Wintersportgebiet aus dem Berg gestampft. Bemerkenswert: Die Reputation infolge der Durchführung einer Großveranstaltung scheint der österreichischen Bevölkerung weniger wichtig zu sein.

Man wurde beim Vortrag des deutschen Wissenschafters Sascha Schmidt allerdings das Gefühl nicht los, es handle sich um eine Anleitung für positiven Wahlausgang. „Wer Olympische Spiele will, muss in erster Linie die Unentschlossenen erreichen“, meinte der Experte. Zwar würden 52 Prozent der Befragten in elf europäischen Ländern sowie den USA für Spiele in ihrem Land sein, nur 25 dagegen – aber die 23 Prozent dazwischen könnten Wahlen entscheiden.

„Um Wahlen zu gewinnen, muss man wissen, um wen es sich bei den Unentschlossenen handelt.“ Schmidts Strategie: Die Supporter müsse man nicht überzeugen, lediglich für die Abstimmung mobilisieren. Auch die Olympia-Gegner wären für Argumente großteils unzugänglich, 41 Prozent würden Pro-Argumenten keine Aufmerksamkeit schenken. „Bei ihnen geht es vor allem darum, sie nicht zu provozieren. Ein kleiner Wind im sozialen Netzwerk kann sich zum Sturm auswachsen“, warnte Schmidt. Ein Shitstorm also, der 2012 sogar das Aus für die Bostoner Bewerbung bedeutete.

Besser hätte es Olympia-Befürworter Barack Obama bei seiner eigenen Präsidentschaftswahl gemacht, als er die Nichtwähler zu erreichen suchte und damit erfolgreich war. Ein ähnliches Rezept empfiehlt Schmidt jetzt, wenn es um die Unentschlossenen bei Olympia-Befragungen geht: „Diese Leute haben wenig Zeit, die Strategie muss deshalb lauten: einfache Botschaften, wohl dosiert in kleinen Häppchen.“

Olympia-Befragung

Lediglich 40 Prozent der Befragten in Österreich haben sich für Olympische Spiele in ihrer Heimat ausgesprochen. 33 Prozent votierten dagegen, 27 Prozent waren unentschlossen.

Nur Norwegen (35 % dafür, 43 % dagegen, 22 % unentschlossen) wies ein schlechteres Ergebnis auf. Am besten: die USA (76 % dafür, 6 % dagegen, 18 % unentschlossen). Im Mittelfeld: die Schweiz (49 % dafür) und Deutschland (43 % dafür).

Quelle: Sascha Schmidt, Wirtschaftshochschule nahe Koblenz.


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