Familie wollte Liebesbeziehung der Tochter unterbinden: Prozess

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~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA533 vom 06.10.2015 muss es im Untertitel richtig heißen: Vater des Mädchens in Salzburg wegen gefährlicher Drohung zu zwei Monaten bedingt verurteilt (nicht: Vater des Burschen) --------------------------------------------------------------------- ~ Salzburg (APA) - Das Thema eines Prozesses am Dienstag in Salzburg hat an die Liebesgeschichte von „Romeo und Julia“ erinnert: Eine Familie mit kosovo-albanischen Wurzeln wollte die Beziehung der 17-jährigen Tochter zu ihrem gleichaltrigen Freund serbischer Herkunft verhindern - laut Anklage mit Gewaltandrohung. Doch die fünf Beschuldigten bestritten den Vorwurf der gefährlichen Drohung und schweren Nötigung.

Die drei Monate dauernde Beziehung hat zum Glück nicht wie bei William Shakespeares Tragödie tödlich geendet. Doch die beiden Teenager Adelina und Alexander sind seit dem Konflikt, der offenbar aufgrund der verschiedenen Herkunft und Religionen der beiden Familien bestand - alle sind Österreicher - nicht mehr zusammen. Die Eltern und die drei älteren Schwestern der Berufsschülerin mussten heute auf der Anklagebank Platz nehmen.

Laut Strafantrag soll der Vater von Adelina dem Vater von Alexander am 30. Mai 2015 am Telefon gedroht haben, sein Sohn lebe nur noch 24 Stunden, dann werde er ihm vor seinen Augen und den anderen Familienmitgliedern den Hals aufschlitzen. „Das stimmt nicht. Ich habe nur gesagt, sein Sohn soll die Hand von meiner Tochter wegnehmen. Wir passen nicht zusammen. Wir sind Moslems, die sind orthodox“, erklärte der angeklagte Vater. Er wurde wegen einfacher gefährlicher Drohung zu zwei Monaten bedingt nicht rechtskräftig verurteilt. Alle anderen vier Angeklagten erhielten einen bereits rechtskräftigen Freispruch.

Auch die weiblichen Familienmitglieder beteuerten ihre Unschuld. Es stimme zwar, dass zwei Schwestern und die Mutter den beiden Verliebten zur Dult nach Salzburg gefolgt seien, sich zu den beiden ins Auto gesetzt hätten und mit ihnen herumgefahren seien. Dass sie gesagt hätten, er werde umgebracht, falls er Adelina nicht in Ruhe lasse, stimme nicht. „Wir hatten nur Angst um unsere jüngste Schwester. Wir haben gehört, dass Alexander Drogen nimmt. Er ist ein schlechter Umgang für sie. Sie hat sich zu hundert Prozent verändert.“ Adelina sollte sich doch auf die Lehrabschlussprüfung konzentrieren, meinte eine Schwester zu Richterin Gabriele Glatz.

Die Mutter war zwar ebenfalls im Wagen gesessen, doch sie habe von dem rund 45 Minuten dauernden Gespräch mit dem Burschen fast nichts mitbekommen, weil sie kaum Deutsch verstehe, erklärte die Angeklagte. Um der Trennung der Liebenden noch Nachdruck zu verleihen, soll die älteste Tochter dem Burschen in einem Videotelefonat demonstrativ eine Pumpgun vorgehalten haben. „Ich habe damals auf sechs Kinder aufgepasst. Vielleicht hat ein Bub ein Spielzeug mitgenommen. Ich habe Alexander nicht mit einer Waffe bedroht“, rechtfertigte sich die junge Frau. Nachdem die verängstigte Mutter des Burschen die Polizei alarmiert hatte, wurde bei einer Hausdurchsuchung am 31. Mai eine Spielzeug-Pumpgun sichergestellt.

Der 17-Jährige selbst hielt heute die Anschuldigungen aufrecht. Vor der Fahrt mit dem Auto sei er zweimal in einem anonymen Anruf aufgefordert worden, dass er die Beziehung zu Adelina beenden solle. Bei der Dult hätten ihn die Frauen dann aus dem Wagen gezogen. „Ich musste mich nach hinten setzen. Die Schwestern und die Mutter haben die ganze Zeit auf mich eingeredet: Wenn ich nicht aufhöre mit dem Kontakt, dann werde ich umgebracht. Da fühlte ich mich bedroht. Wir haben die Beziehung ja geheim gehalten wegen unserer verschiedenen Nationalitäten. Sie wollte das. Vor ihrem Vater habe ich mich dann gefürchtet.“ Auch jetzt habe er noch Angst, dass etwas passieren könnte. Die Richterin hat ein Kontaktverbot für den verurteilten Vater zu dem Burschen angeordnet.


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