Bio als Ausweg für Tiroler Bauern aus der Preis-Krise

Die Landwirtschaftskammer will den Anteil der Bio-Bauern in Tirol um 50 Prozent steigern. Zuletzt gaben jedoch einige Bio-Bauern auf.

2014 war im Pinnistal eine 45-jährige Deutsche von Kühen attackiert und zu Tode getrampelt worden. (Symbolfoto)
© Thomas Böhm

Innsbruck –Die Landwirtschaftskammer Tirol (LK) will wegen des Preisverfalls in der konventionellen Landwirtschaft Bauern dazu bewegen, auf die lukrativere Bio-Produktion umzustellen. Das Potenzial werde derzeit kaum ausgeschöpft.

Die heimischen Landwirte haben seit dem Frühjahr unter anderem wegen des Russland-Embargos und der schwachen Nachfrage in Asien mit einem starken Preisverfall zu kämpfen. Viele könnten nicht mehr kostendeckend produzieren, klagen Bauernverbände. „Bio-Bauern haben bei der aktuellen Marktlage bessere Voraussetzungen, ihre Produkte zu einem fairen Preis abzusetzen“, sagt Heinz Gstir, Obmann von Bio vom Berg. Der Umstieg auf Bio wird deshalb von der Landwirtschaftskammer Tirol als Ausweg aus der Preismisere gesehen. Beim Bio-Landbau erzielen Bauern nicht nur höhere Preise für ihre Produkte, auch die Flächenförderung ist um 120 Euro höher, zudem erhalten Betriebe bei der Investitionsförderung einen Zuschlag von fünf Prozent.

Derzeit liegt Tirol mit einem Anteil der Bio-Betriebe von knapp 17 Prozent leicht unter dem Bundesschnitt. Bis Ende 2016 will die LK den Anteil auf 25 Prozent steigern. Spitzenreiter ist Salzburg mit über 45 Prozent. In Zahlen ausgedrückt strebt man in Tirol eine Steigerung von 50 Prozent an, von derzeit 2028 Bio-Betrieben auf 3000. „Tirol soll zu einer der größten Bio-Regionen werden“, sagt LK-Präsident Hechenberger. Erreichen will man das Ziel durch Informationsveranstaltungen im ganzen Land. Dabei sollen die Landwirte unter anderem über Fördermöglichkeiten, Vermarktung oder Fütterung informiert werden. Insgesamt stünden in Tirol zudem 30 Berater der LK zur Verfügung.

„Die Marktchancen bei Bio haben gegenüber der konventionellen Landwirtschaft Bestand“, glaubt Gstir an langfristige Vorteile für Bauern, die ihre Produktion umstellen. Zudem sieht der Bio-vom-Berg-Obmann ein wesentlich größeres Potenzial in Tirol: „In Tirol könnten 80 bis 90 Prozent der Landwirte bio produzieren.“

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Entgegen dem Trend der Konsumenten ist die Zahl der Bio-Betriebe in Tirol jedoch in den vergangenen drei Jahren um knapp ein Fünftel gesunken. Laut LK habe das vor allem strukturelle Ursachen, die großteils ausgeräumt werden konnten. Demnach habe eine interne Umfrage ergeben, dass für den Rückgang vor allem Unklarheiten über die künftigen Förderrichtlinien, die Angst vor einer Verschärfung der EU-Bio-Verordnung sowie kostspielige Adaptierungsmaßnahmen gesorgt haben. LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid nimmt zudem die Bio-Verbände in die Pflicht. „Es war für die Bio-Bauern sehr schwierig, weil sich die Bedingungen der Verbände ständig verändert haben. Ich appelliere an die Verbände, dass man hier mit mehr Augenmaß agiert“, sagt Brunschmid. (ecke)


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