Syrisches Militär verkündet Start groß angelegter Bodenoffensive

Nach dem Eingreifen Russlands in den Syrien-Krieg mobilisiert Assad jetzt seine Truppen für eine Großoffensive gegen Aufständische. NATO-Generalsekretär Stoltenberg sicherte der Türkei unterdessen zu, dass die Allianz zur Entsendung von Truppen an die Südgrenze des Landes bereit sei.

Dieses Foto zeigt den Einschlag von russischen Clusterbomben in der Provinz Idlib.
© REUTERS

Washington – Gestärkt durch die russischen Luftangriffe will Damaskus die Bodenkämpfe gegen die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) und andere Rebellengruppen massiv ausweiten. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte am Donnerstag erneut Moskaus Militäreinsatz in Syrien und das Eindringen russischer Kampfflugzeuge in den türkischen Luftraum.

„Die syrischen Streitkräfte haben heute eine groß angelegte Offensive gestartet, um die Terrorgruppen zu besiegen und die Gegenden und Dörfer zu befreien, die unter dem Terror und seinen Verbrechen gelitten haben“, zitierte das Staatsfernsehen am Donnerstag den syrischen Generalstabschef Ali Abdullah Ayoub.

Am Mittwoch war in syrischen Militärkreisen bereits bestätigt worden, dass die Truppen in der zentralen Provinz Hama eine Offensive gestartet haben. Die Kämpfe begannen nach Angaben von Aktivisten, während die russischen Streitkräfte Ziele des IS und anderer Rebellengruppen angriffen. Durch die russischen Bombardierungen seien die Aufständischen schon geschwächt worden, sagte General Ayoub. Dadurch hätten „die syrischen Streitkräfte die militärische Initiative behauptet“.

Syrische Regierungstruppen und verbündete Milizen nahmen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe am Donnerstag weitere Rebellenstellungen im Westen Syriens unter Beschuss. Die heftigen Angriffe hätten Aufständischen in der strategisch wichtigen Ghab-Ebene gegolten, teilte die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. IS-Kämpfer sollen sich dort nicht aufhalten.

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Die Ghab-Ebene grenzt an eine Bergkette, die das Kernland der alawitischen Glaubensgemeinschaft an der Westküste bildet, zu der Präsident Bashar al-Assad gehört. Eine Rebellenallianz unter Beteiligung des Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front hatte das Gebiet Ende Juli erobert und die Regierungstruppen zum Rückzug gezwungen.

Auch russische Kriegsschiffe griffen an

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, russische Kriegsschiffe hätten am Mittwochabend vom Kaspischen Meer aus Ausbildungs- und Munitionslager sowie Kommandozentralen des IS in Syrien angegriffen. Genaue Ortsangaben machte das Ministerium zunächst nicht. Russland hat seine Luftangriffe zur Unterstützung von Assad vor rund einer Woche gestartet und erklärt, sie dienten der Bekämpfung des IS. Der Westen wirft der Führung in Moskau aber vor, zumeist gegen andere Aufständische vorzugehen, darunter gemäßigte Gruppen.

NATO-Generalsekretär Stoltenberg sicherte der Türkei unterdessen zu, die Allianz sei zur Entsendung von Truppen zum Schutz der südlichen Grenze bereit, sollte es dort zu Bedrohungen kommen. Am Wochenende hatten russische Kampfflugzeuge bei ihren Angriffen in Syrien den türkischen Luftraum verletzt und damit heftige Kritik der NATO auf sich gezogen.

NATO: Russische Angriffe „Grund zur Besorgnis“

Stoltenberg nannte die russischen Luftangriffe „Grund zur Besorgnis“. Im Hinblick auf die Verletzung des türkischen Luftraums am Wochenende ergänzte er vor einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel: „Die NATO ist bereit und in der Lage, alle Verbündeten zu verteidigen, darunter auch die Türkei.“ Zugleich forderte er Russland auf, eine konstruktive Rolle im Kampf gegen den IS einzunehmen. Dies sei nicht der Fall, solange Russland Assad unterstütze.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte: „Es ist klar und unmissverständlich von der NATO gesagt worden, dass wir zu unserem NATO-Partner, der Türkei, stehen, und dass wir ganz klare Vorstellungen auch davon haben, dass das NATO-Territorium geschützt wird.“ Was man angesichts des Ukraine-Konflikts im Baltikum tue, werde man auch in der Türkei tun.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon erklärte: „Russland macht die sehr ernste Situation in Syrien noch gefährlicher.“ Die niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert kritisierte konkret das Verhalten des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kampf gegen den IS. „Russland ist nicht konstruktiv, nicht verlässlich und zeigt sich nicht kooperativ“, sagte sie.

Erdogan warnt Putin vor nachhaltigem Schaden für Beziehung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte Russland vor einem nachhaltigen Schaden für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Russland solle sich genau überlegen, was es tue, sagte Erdogan nach Presseberichten vom Donnerstag während einer Reise nach Japan vor mitreisenden Journalisten. Der türkische Staatschef deutete mögliche negative wirtschaftliche Folgen für Russland aufgrund der Intervention Moskaus in Syrien an.

Erdogan sagte, er sei enttäuscht vom russischen Verhalten. Noch vor kurzem habe er ausführlich mit Präsident Putin gesprochen; kurz darauf seien die russischen Jets in den türkischen Luftraum eingedrungen. Neuerliche Gespräche mit Putin plant er offenbar nicht: „Unter diesen Bedingungen hat es keinen Sinn, dass ich anrufe“, sagte er. (APA/dpa)


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