Fußball: Vucic reist nicht zu EM-Quali-Match nach Albanien

Belgrad/Tirana (APA) - Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic wird heute, Donnerstag, nicht zum Fußball-EM-Qualifikationsspiel zwischen Al...

Belgrad/Tirana (APA) - Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic wird heute, Donnerstag, nicht zum Fußball-EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Serbien nach Elbasan reisen. Das habe er nach mehreren Telefongesprächen mit dem albanischen Amtskollegen Edi Rama beschlossen, erklärte Vucic in einer Aussendung. „Die Sportler sollen die Hauptakteure sein“, erläuterte Vucic seine Entscheidung.

Er begründete sie auch mit „der ungewöhnlichen Politisierung eines Sportereignisses“. Er sei jedoch der Ansicht, dass Premier Rama und er durch einen vereinbarten Studentenaustausch ein „wichtiges Signal nicht nur unseren Völkern, sondern der ganzen Welt“ geschickt hätten, dass sie „seriös und verantwortungsvoll in die Zukunft der Region, Serbiens und Albaniens“ blickten.

Vucic verurteilte gleichzeitig einen Zwischenfall vom Mittwochabend. Der Bus der serbischen Nationalmannschaft, die vom Flughafen von Tirana ins Hotel unterwegs war, war mit Steinen beworfen worden.

Bedauern wegen des Zwischenfalls bekundete auch Albaniens Premier Rama bei einem Treffen mit einer Gruppe von 60 serbischen Studenten, welche dem Fußballspiel in Elbasan beiwohnen werden. „Dies zeigt, wie viel noch zu tun ist“, wurde Rama vom Internetportal der Tageszeitung Gazeta Ship zitiert.

Er wolle nicht verheimlichen, dass es sich um ein von Emotionen beladenes Spiel handeln würde. Ein Sieg der albanischen Nationalmannschaft wäre von großer Bedeutung. Noch wichtiger wäre es aber, dass „die Zivilisation gewinnt, welche man auf dem Balkan gemeinsam verkörpern“ wolle, meinte Albaniens Ministerpräsident.

Medienberichten in Tirana und Belgrad zufolge hat es der albanische Botschafter in Serbien, Ilir Bocko, am Mittwochabend abgelehnt, eine Protestnote Serbiens wegen des Zwischenfalls entgegenzunehmen. Es habe sich um keine große Sache gehandelt, wurde der Botschafter vom albanischen Top Channel zitiert.

Das Match in Elbasan findet unter starken Sicherheitsmaßnahmen statt. Die albanische Polizei hat große Schutzmaßnahmen auch um das Hotel in Tirana unternommen, wo die serbische Nationalmannschaft untergebracht wurde. Laut Medienberichten sollen heute etwa 2.000 Ordnungshüter für den sicheren Verlauf des Fußballspiels sorgen.

Das Hinspiel war vor fast genau einem Jahr in Belgrad eskaliert. Eine über dem Stadion schwebende Drohne mit einer nationalistischen albanischen Flagge von Groß-Albanien ließ die Heim-Fans ausrasten. Sie stürmten auf den Rasen, bewarfen die Gäste mit Feuerzeugen und Flaschen und griffen Spieler tätlich an. Das Match wurde abgebrochen. Mitte Juli sprach der Internationale Sportgerichtshof Albanien einen 3:0-Sieg zu.


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