Streit in Italien um Anerkennung von Lebenspartnerschaften

Im Vatikan beraten die Bischöfe, ob und wie die katholische Kirche ihr Familienbild reformieren soll. In Italien wird indes darüber diskutiert, gleichgeschlechtlichen Paaren mehr Rechte einzuräumen. Bislang können Homosexuelle dort weder heiraten noch – wie in Österreich – eine eingetragene Partnerschaft eingehen.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi.
© APA/EPA/ANGELO CARCONI

Rom/Vatikanstadt – Während im Vatikan die Diskussionen im Rahmen der Familiensynode in die entscheidende Phase treten, sorgen Pläne der italienischen Regierung für die Anerkennung von homo- und heterosexuellen Lebenspartnerschaften wieder einmal für Debatten. Im Italien können Homosexuelle nicht heiraten, auch eingetragene Partnerschaften gibt es weder für homo-, noch für heterosexuelle Lebensgemeinschaften.

Die Regierung von Premier Matteo Renzi will diese Situation mit einem Gesetz über die Anerkennung von Lebenspartnerschaften ändern. Die meisten Italiener haben damit kein Problem. Doch katholisch-konservative Kreise leisten erbittert Widerstand. Trotz Widerständen aus den Reihen der verbündeten rechtskonservativen Regierungspartei NCD haben Parlamentarier aus Renzis Demokratischer Partei (PD) am Mittwoch eine neue Version des sogenannten „Cirinná“-Entwurfs eingereicht, mit dem in Italien sowohl homo-, als auch heterosexuelle Lebenspartnerschaften erstmals in das Familienrecht integriert werden sollen.

Adoptionsrecht in Entwurf vorgesehen

Darin ist wie bei der ersten Version der umstrittene Passus enthalten, wonach ein Lebenspartner das Kind des homosexuellen Lebensgefährten adoptieren kann. Dies gilt als heikelster Aspekt des Gesetzentwurfes, weil dieser laut katholischen Verbänden am Fundament der traditionellen Familie rüttle. Die sogenannte „Stepchild Adoption“ würde den Weg zum Adoptionsrecht für Homosexuelle ebnen. Umstritten ist auch der Passus, wonach ein Lebensgefährte Recht auf die Pension des verstorbenen Partners habe, wie es zurzeit bei Eheleuten der Fall ist.

Renzis Parlamentarier hoffen, dass der neue Gesetzentwurf zügig durchgesetzt werden könne. Die erste Version des Gesetzesvorhaben war bisher von der Opposition der NCD und anderen katholischen Parlamentariern gestoppt worden.

Italien ist eines der wenigen Länder in der EU, das gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften nicht anerkennt. Erst im Juli hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Land zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufgefordert. (APA)


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