Syrien - Militärischer Fleckerlteppich

Damaskus (APA/AFP) - Viereinhalb Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs hat Syrien die Gestalt eines militärischen Fleckerlteppichs angenomm...

Damaskus (APA/AFP) - Viereinhalb Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs hat Syrien die Gestalt eines militärischen Fleckerlteppichs angenommen. Den staatlichen Sicherheitskräften sind große Teile des Landes entglitten, die von unterschiedlichsten Kampftruppen kontrolliert werden. Hinzu kommen Militäreinsätze von ausländischen Mächten:

Die alte syrische Zentralgewalt und ihre Mitstreiter

- Die einst als schlagkräftig gefürchtete syrische Armee ist stark geschrumpft - durch Kriegstote, Überläufer und Verweigerer. Von den vormals 300.000 Mann bleiben rund die Hälfte. Zwei Drittel des Territoriums werden nicht mehr von der Armee kontrolliert. Doch die verbliebenen Gebiete - die Hauptstadt Damaskus, Latakia, Tartus, Teile der Provinzen Hama und Homs - beheimaten etwa die Hälfte der verbliebenen Bevölkerung.

- An der Seite der syrischen Armee kämpfen mehrere Milizen. Dies sind bis zu 200.000 Mann, darunter die 2012 gegründete und mit 90.000 Mann stärkste Kraft, die Nationalen Verteidigungskräfte. Es gibt noch zahlreiche aus dem Ausland unterstützte Milizen, zum Teil aus dem Iran, dem Irak und aus Afghanistan. Die stärkste von ihnen ist die libanesische Hisbollah-Miliz, die nach Experteneinschätzung zwischen 5.000 und 8.000 Kämpfer nach Syrien geschickt hat.

- Aktuell hat sich Russland massiv in den Konflikt eingeschaltet. Am 30. September wurden die ersten russischen Luftangriffe auf Ziele in Syrien geflogen. Russland baute einen Luftwaffenstützpunkt bei Latakia auf, auf dem rund 50 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Luftverteidigungseinheiten stationiert wurden. Laut russischen Medien sind 1.700 russische Soldaten im Einsatz. Am Mittwoch wurden vom Kaspischen Meer aus Marschflugkörper auf Stellungen der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) abgefeuert.

- Die Regierung von Präsident Bashar al-Assad wird zudem vom Iran unterstützt, der 7.000 Revolutionswächter in das Nachbarland entsandte, Finanzhilfe leistet und Militärberater stellt.

Die Aufständischen und die Al-Nusra-Front

- Die Al-Nusra-Front ist ein Ableger des internationalen Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie wird von Abu Mohammed al-Jolani angeführt und ist mit Rebellen in den Provinzen Idlib und Aleppo verknüpft. Die von der Al-Nusra-Front kontrollierten Gebiete hängen eng mit dem Einflussgebiet der 2011 gegründeten Gruppierung Ahrar al-Sham zusammen, die von den Golfstaaten und der Türkei unterstützt wird. Al-Nusra und Ahrar al-Scham sind seit diesem Jahr in der „Armee der Eroberung“ zusammengeschlossen. Dieses Bündnis hat die Regierungseinheiten inzwischen vollständig aus der Provinz Idlib verdrängt.

- Daneben gibt es weitere Gruppen von Aufständischen, etwa die Jaysh al-Islam, die östlich von Damaskus operiert, und die Südfront in der Provinz Daraa.

Der Islamische Staat

- Der „Islamische Staat“ (IS) ist die am besten organisierte, am besten ausgestattete und die am brutalsten vorgehende nicht-staatliche Organisation in Syrien. Seit 2013 hat der IS die Hälfte des syrischen Staatsgebiets unter seine Kontrolle gebracht und im Juni 2014 ein „Kalifat“ in Teilen Syriens und des Irak ausgerufen. An der Spitze der Organisation mit ihren Zehntausenden Kämpfern steht Abu Bakr al-Baghdadi. Der IS hat inzwischen rund 30.000 Kämpfer aus dem Ausland in seine Reihen aufgenommen.

Die Kurden

Im Norden und Nordosten Syriens gibt es größere kurdische Siedlungsgebiete, die von Volksverteidigungseinheiten (YPG) geschützt werden. Sie erzielten gegen den IS militärische Erfolge in Kobane, Tal Abyad und Hasakah.

Die internationale Koalition

Angesichts der Gewaltexzesse des IS gründeten die USA und mehrere arabische Staaten im September 2014 eine Militärkoalition, die mit Luftangriffen gegen mutmaßliche IS-Ziele vorgeht. Bisher erzielte die Koalition keinen durchschlagenden Erfolg. Zuletzt schlossen sich die Türkei, Großbritannien und Frankreich der Koalition an.


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