Stadttheater Klagenfurt: Ein lautes Experiment namens „Lavant!“

Klagenfurt (APA) - Zum 100. Geburtstag von Christine Lavant haben Bernd Liepold-Mosser und Ute Liepold im Auftrag des Stadttheaters Klagenfu...

Klagenfurt (APA) - Zum 100. Geburtstag von Christine Lavant haben Bernd Liepold-Mosser und Ute Liepold im Auftrag des Stadttheaters Klagenfurt aus Texten der Dichterin ein Theaterstück geformt. „Lavant!“, das am Donnerstag Premiere feierte, liefert kein Porträt und keine Lesung, sondern vielmehr einen aggressiven Mix aus Reizen, der sich auf die Suche nach der Kärntner Schriftstellerin gemacht hat.

Das Stück darf durchaus als experimentell bezeichnet werden. Es gibt keinen Handlungsstrang, den sieben Schauspielern sind auch keine Rollen zugeteilt. Für Bindung sorgt die österreichische Band Clara Luzia, die live auf der Bühne performt. Neben dem intensiven, sehr präsenten und lauten Schauspiel prasseln in den elf Szenen viele weitere Eindrücke auf das Publikum ein.

Das an sich schlichte Bühnenbild, das über weite Strecken aus einer mit zerknitterter weißer Folie bedeckten Wand besteht, wird mit Visuals bespielt, eine wackelige Kamera zeigt Lippenstiftschmierereien und Alltagsspielereien, so privat, dass sich der Blick darauf unangenehm anfühlt. Dazu kommen Videos auf vier herabhängenden Bildschirmen. Darauf zu sehen sind der eine oder andere Tauchgang und im Finale die Dichterin selbst beim Blumenpflücken.

Karnevalseinlagen mit Glitzeranzug-Parade zum eingespielten Zillertaler Hochzeitsmarsch oder an anderer Stelle der Schlager „Du bist die Rose vom Wörthersee“ bleiben auch nicht aus. Gepaart mit dem Aufzug der Besetzung, mondäne Gestalten mit Frisuren und Kleidern, wirkt der Blick auf die Lavant, dieses kränkliche Weiblein mit Kopftuch, das sein Leben fast zur Gänze in Armut am Land verbrachte, fremd. Die schrille Inszenierung legt sich über die Textcollage wie ein urbaner, von aktuellen Sichtweisen geprägter Filter.

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Ob des sonstigen Trubels auf der Bühne bilden die melancholischen Pop-Song-Einlagen von Clara Luzia, obwohl alles andere als langweilig, einen wohlig-ruhigen Kontrast. Die Band lässt überwiegend vertonte Lavant-Texte hören, bringt aber auch eigenes mit. Das Manko ist, dass bei Schlagzeug, Bass und E-Gitarre die Stimme etwas übertönt wird und die Lyrics nur schwer verständlich sind.

Wer etwas in Richtung eines Porträts der Christine Lavant oder eine Einführung in ihr Werk erwartet, wird hier definitiv nicht bedient. „Das Selbst ist niemals darstellbar“, heißt es bald zu Beginn, das Zitat der Dichterin darf durchaus als Überschrift für den Abends verstanden werden. Das Stück bleibt eine Interpretation, eine Sicht, eine Meinung, die sich um eine Person dreht, die sich vielleicht hinter der Lyrik und Prosa von Christine Lavant befunden hat. Oder es dreht sich auch um etwas ganz anderes, wer weiß? Hier zählen der zuweilen ins Groteske abgleitende Ausdruck auf der Bühne und der Eindruck, den er hinterlässt.

Im Vordergrund steht die Emotion, der Schmerz, das Unglück. Die Texte werden weitgehend gebrüllt, geheult, gewispert, schmerzverzerrt in den Raum geschleudert. Die Worte werden gefressen und ausgespien. Dieses Stück ist eben keine Lesung. Man hätte die Texte mehr für sich stehen lassen können, aber wer Lavant lesen will, der kann das auch zuhause mit einer Tasse Tee tun. Damit stellt sich am Ende der Titel des Abends als durchaus treffend heraus - wobei der Fokus definitiv auf dem Rufezeichen liegt.

(S E R V I C E - „Lavant!“ - Theaterprojekt zum 100. Geburtstag der Dichterin Christine Lavant von Bernd Liepold-Mosser und Ute Liepold. Regie: Bernd Liepold-Mosser; Musik: Clara Luzia; Bühne und Kostüme: Aurel Lenfert; Videos: Philip Kandler; Dramaturgie: Sylvia Brandl. Stadttheater Klagenfurt. Weitere Aufführungen: 10., 13., 15., 21., 23., 25., 30. und 31. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr. Karten: 0463/54 0 64, http://www.stadttheater-klagenfurt.at)


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