Häusliche Gewalt im Visier: „Brutalität ist nie privat“

In 8000 Fällen musste die Polizei in Österreich im Vorjahr einschreiten, davon 442-mal in Tirol – laut Experten ist das nur die Spitze des Eisbergs.

„133 Kinderpolizei“: „Bluatschink“ Toni Knittel und Kinder der Volksschule in Pettneu singen den beliebten Kinder-Hit.
© Polizei

Innsbruck –Mit der Bekämpfung von häuslicher Gewalt hat sich das Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) heuer ein heißes Thema als Schwerpunkt ausgesucht. Beim Tiroler Sicherheitsevent 2015 im Innsbrucker Messesaal wurden brisante Zahlen präsentiert. Laut dem Direktor des Bundeskriminalamts, General Franz Lang, hat die Polizei bundesweit nach Anzeigen etwa 8000-mal eingegriffen. Christoph Hundertpfund vom Landeskriminalamt berichtet für Tirol von 442 diesbezüglichen Polizeieinsätzen, also im Schnitt mehr als einer jeden Tag.

Beide Toppolizisten sind sich einig, dass es sich dabei aber nur um die Spitze des Eisbergs handelt, weil Betroffene den nötigen Schritt zur Polizei aus falsch verstandener Rücksicht oder auch aus Scham viel zu oft scheuen. Hundertpfund ermutigt Betroffene, zur Polizei zu gehen – aber auch Anrainer, die „begründete Hinweise auf Gewalt“ hätten. Das Gros der Gewalttaten spiele sich im Familien- und Bekanntenkreis ab, zum weit überwiegenden Teil seien die Täter Männer.

Mit dem Gewaltschutzgesetz aus 1997 habe Österreich eine Vorreiterrolle gespielt, in den Jahren 2007 und 2013 sei das Gesetz zweimal novelliert worden. Neben Betretungsverboten für die Wohnung und den Umkreis wurden die Verbote im Sinne der betroffenen Kinder auch auf Schulen oder Kindergärten ausgeweitet worden.

Mit der „Sicher.Tirol“-Beilage (am Montag in der TT): Moser-Holding-Chef Hermann Petz (von links), Marika Lichter, Schauspieler Martin Leutgeb, Tirols Polizeichef Helmut Tomac, Felix Mitterer und TV-Autor Uli Bree.
© Julia Hammerle

Für die Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Tirol, Angela Federspiel, ist häusliche Gewalt in allen Milieus anzutreffen. Im Vorjahr seien in Tirol 800 Hilfesuchende gekommen, davon über 700 Frauen. Es gehe um Gewalt, Drohungen, Beschimpfungen und Demütigungen. Die Täter seien außerhalb der eigenen Wohnung oft sozial unauffällig. „Ein Martyrium und ein Teufelskreis für Frauen, Kinder und zum Teil auch Männer, der unterbrochen gehört, bevor es zu spät ist.“

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Raiffeisen- und KSÖ-Chef Erwin Hameseder (von links), LH Günther Platter, Margit und Toni Knittel (Bluatschink), RLB-Tirol-Chef Hannes Schmid und der Direktor des Bundeskriminalamts, Franz Lang.
© Julia Hammerle

Landespolizeidirektor Helmut Tomac betonte, Gewalt sei nie privat. Zur besseren Aufklärung sollen drei professionelle Kurzfilme für NGOs, die Polizei und Schulen produziert werden. Das Drehbuch dafür könnte TV-Autor Uli Bree (u. a. „Die Vorstadtweiber“) übernehmen, wie dieser bei der Gala sagte.

Der KSÖ Tirol (Partner sind u. a. auch Raiffeisen und die Moser Holding) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl im Land zu erhöhen. Facebook-Rebell Max Schrems war bereits Referent, Bluatschink hat mit „133 Kinderpolizei“ einen Kinder-Hit (10.000 CDs) hingelegt. (va)


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