Allgäuer Sonderschulen sind für Außerferner kein Thema

Tirols Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf sprach von Integrationsausweichversuchen besorgter Eltern im Bezirk Reutte.

© thomas boehm

Von Helmut Mittermayr

Reutte –In einer gerade im Außerfern vielbeachteten Pressekonferenz warfen der Tiroler Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf, Bürgermeister von Sölden, und sein Telfer Kollege Christian Härting einen kritischen Blick auf die sich stärker entwickelnde Inklusion von Behinderten an Regelschulen in Tirol. Auf der Homepage des Gemeindeverbandes ist dazu festgehalten: Auch den vermeintlichen Inklusions-Paradebezirk Reutte sehen die Gemeindevertreter differenziert. Schöpf: „Es ist allgemein bekannt, dass manche Außerferner Eltern von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf diese nicht in den Regelunterricht integriert wissen wollen, stattdessen ihren Nachwuchs lieber über die Grenze ins benachbarte Allgäu bringen und dort ein SPZ besuchen lassen.“

Im Bezirk Reutte wurde die Sonderschule im Jahr 1996 „einfach“ aufgelöst. Seither besteht eine volle Integration, nun Inklusion genannt, für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf an allen Regelschulen. Im Schnitt fallen jährlich 60 Schüler und Schülerinnen unter diese spezielle Förderung.

Die Tiroler Tageszeitung machte sich auf die Suche nach den angeblichen Inklusionsflüchtlingen – und fand niemanden. Kein einziges Außerferner Kind mit erhöhtem Förderbedarf wird in Bayern an einer Sonderschule unterrichtet. Alle Namen der Schüler mit Wohnsitz im Außerfern, die angeblich ins benachbarte Allgäu ausgewichen sind, wären der Behörde in Reutte sowie dem Landesschulrat bekannt. Läuft doch jedes Ansuchen dazu über deren Schreibtische. Seit Jahren gibt es keinen einzigen Fall.

Ganz im Gegenteil. Die Zahl deutscher Eltern, die die Möglichkeiten ausloten, wie sie ihr behindertes Kind in das inklusive Außerferner Regelschulsystem einschleusen können, nimmt Jahr für Jahr zu. Manche haben dafür extra ihren Wohnsitz in den Bezirk Reutte verlegt. Die Schulbehörden sind in diesem Punkt aber äußerst zurückhaltend, um die Belastungen für die heimischen Pädagogen nicht durch Zuzug künstlich zu erhöhen.

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Aktuell ist ein einziges Außerferner Kind in einer Pflegeeinrichtung außerhalb des Bezirkes untergebracht. Nicht der Wunsch nach einem Sonderschulbesuch, sondern eine mit den Behörden abgestimmte notwendige Entlastung der Eltern war dafür ausschlaggebend. Das Kind ist unter der Woche im Elisabethinum bestens versorgt.

In den letzten Jahren gab es einen einzigen bekannten Fall, der wiederum nichts mit der Frage Inklusion/Sonderschule zu tun hat, bei dem ein Jugendlicher für kurze Zeit ins Allgäu kam und dort auch auf eine Sonderschule ging. Das Jugendamt hatte das Kind aus sozialen Erwägungen den Eltern weggenommen und in ein Heim ins Allgäu gebracht.

Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf konnte auf TT-Anfrage keinen ihm persönlich bekannten Fall einer Diaspora ins Allgäu benennen und räumte ein: „Ich habe mich halt auf Aussagen von Kollegen verlassen.“ Für Söldens Bürgermeister Schöpf aber wichtig: „Okay, wenn schon nicht Allgäu, dann gibt es aber zumindest Kinder aus dem Bezirk Reutte in Tiroler Landeseinrichtungen wie dem Elisabethinum – und damit ist keine 100-prozentige Integration erreicht.“ Er meint im aktuellen Schuljahr genau ein Kind.


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