ÖBB will Handyempfang in Zügen verbessern

Telefonieren und Internetsurfen im Zug ist in Österreich zurzeit oft eine große Qual. In den nächsten drei Jahren stecken ÖBB und die Mobilfunker 100 Mio. Euro in Verbesserungen.

"3"-Chef Jan Trionow, Infrastrukturminister Alois Stöger, ÖBB-Chef Christian Kern, A1-Vorstand Marcus Grausam und T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth (v.l.) bei der Pressekonferenz.
© ÖBB

Von Serdar Sahin

Wien – Schlechter Handyempfang in Zügen soll bald der Vergangenheit angehören. Das Infrastrukturministerium, die ÖBB und die drei heimischen Mobilfunker A1, T-Mobile und „3“ nehmen 100 Millionen Euro in die Hand, um die Netzabdeckung entlang wichtiger Bahnstrecken auszubauen. Durchgehendes Telefonieren und Surfen ist derzeit entlang der meisten Bahnstrecken nicht möglich. „So lösen wir etwas, das uns seit Jahren Probleme gemacht hat“, sprach ÖBB-Chef Christian Kern von einem Meilenstein in der Bahngeschichte. „Etwas zugespitzt formuliert: Es ist deutlich leichter in einem Space Shuttle WLAN und Sprachtelefonie zu realisieren, als das in einem Zug ist.“

Zwei Drittel der Kosten tragen das Infrastrukturministerium und die ÖBB, die Netzbetreiber übernehmen den Rest. Minister Alois Stöger (SPÖ) stellte sogleich klar, dass das Geld dafür aus dem Infrastruktur-Rahmenplan für die ÖBB, nicht aus der Breitband-Milliarde komme. Bis Ende 2016 werde in einem ersten Schritt die Netzabdeckung entlang der S-Bahn-Strecken in Wien und Niederösterreich sowie die Westbahnstrecke Wien – Salzburg ausgebaut. In einer zweiten Etappe werden bis 2018 die S-Bahn-Strecken in Tirol, in der Steiermark, Kärnten und Vorarlberg mit einer verbesserten Mobilfunkversorgung ausgestattet.

Das Ziel der ÖBB sei es, „Tirol und insbesondere das Inntal mit ordentlicher Sprachtelefonie und Mobilfunk auszustatten“, sagte ÖBB-Chef Christian Kern gegenüber der TT. Die ÖBB seien sehr zufrieden mit den Entwicklungen in Tirol, so Kern weiter. Keine Neuigkeiten gab es zum Handyempfang auf der Strecke übers Deutsche Eck. Dazu wurde auf den deutschen Nachbarn verwiesen. Der Mobilfunker T-Mobile würde jedoch in diese Richtung bereits testen – auf der Strecke zwischen Österreich und Ungarn. Nebenstrecken – wie ins Außerfern etwa – werden vorerst nicht ausgebaut. Der Ausbau würde sich hier wirtschaftlich nicht rechnen. Die Bahn betont aber, durch den Ausbau 95 Prozent der Kunden zu erreichen.

Zwischen Wiener Neustadt und Wien gebe es bereits eine Teststrecke. Auf der rund 50 Kilometer langen Strecke gab es bisher im Schnitt sechs Gesprächsabbrüche. Im Endausbau soll es kein einziger Abbruch mehr sein, erklärten die Chefs der drei Mobilfunkbetreiber in der Pressekonferenz. An den WLAN-Netzen in den Railjets und den großen Bahnhöfen halten die ÖBB fest. Die Bundesbahnen planen, über das WLAN neue Services anzubieten – etwa Catering-Bestellungen per App. Auch ein Unterhaltungsportal mit Medieninhalten und Nachrichten schwebt Kern vor. Streamingdienste sollen künftig also sowohl über WLAN als auch über das Mobilfunknetz funktionieren.

Rund 900 neue Mobilfunksender werden entlang von 1500 Kilometern Bahnstrecke errichtet, auch die Tunnel werden verkabelt. In erster Linie sollen die bestehende Infrastruktur – wie etwa die GSM-R-Sendemasten der Bahn, aber auch die Masten für den Fahrstrom – genützt werden. Darüber hinaus stellen die Mobilfunker ungefähr alle fünf Kilometer zusätzliche LTE-Sendestationen auf. Gleichzeitig montieren die ÖBB auf jedem Waggon eine Antenne und einen Repeater, der das Mobilfunksignal im Wageninneren an die Fahrgäste verteilt.


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