„Verheerende Arbeitsbedingungen“ bei Orangensaft-Produktion

Wien (APA) - In einem aktuellen Report kritisieren die Nichtregierungsorganisationen Global 2000 und Südwind die Umstände unter denen Orange...

Wien (APA) - In einem aktuellen Report kritisieren die Nichtregierungsorganisationen Global 2000 und Südwind die Umstände unter denen Orangensaft in Brasilien produziert wird. Die größten Probleme liegen dabei in der Verwendungen von Pestiziden und in der Unterbezahlung der Arbeiter.

„Es wäre besser, wenn die Menschen gar nicht arbeiten würden, bevor sie diese Arbeit ausführen“, sagte Alcimir Antonio de Carmo, ein brasilianischer Gewerkschaftsvertreter auf einer Pressekonferenz am Freitag in Wien zur Situation auf den Plantagen. „Was hier passiert, ist moderne Sklaverei“, meinte auch Martin Wildenberg von der Umweltschutzorganisation Global 2000.

Schuld an den verheerenden Umständen ist gemäß des aktuellen Berichts vor allem die Marktkonzentration: Die drei größten Unternehmen, Citrosuco, Cutrale und Louis Dreyfus Commodities, verkaufen demnach etwa die Hälfte des weltweit produzierten Orangensaftkonzentrats an Abfüller - und drücken damit die Preise. Das resultiere in niedrigen Löhnen für die Arbeiter. Umgerechnet verdiene ein Arbeiter auf einer Orangenplantage in Sao Paolo etwa 10 Euro pro Tag, durchschnittlich müsse er dafür 10 bis 11 Stunden unter stark gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten. „Es geht den Erntern ähnlich wie den Näherinnen in Bangladesch, die Bedingungen sind furchtbar“, so Elfriede Schachner von der entwicklungspolitischen NGO Südwind auf der Pressekonferenz.

Arbeiter würden normalerweise außerdem nicht mit ausreichender Schutzbekleidung ausgestattet, die sie gegen den Pestizid-Einsatz auf den Plantagen schützen würde. Wie aus dem Bericht hervorgeht, hat sich die Zahl der gemeldeten Pestizid-Vergiftungen in den letzten acht Jahren auf 4.537 Fälle verdoppelt - man geht aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. 206 Todesfälle wurden offiziell gemeldet.

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Der Bericht kritisiert allerdings nicht nur die schlechten Arbeitsbedingungen, sondern besonders auch die Umweltbelastung, die durch die Orangensaftproduktion verursacht wird. „Bei einem Lokalaugenschein vor Ort haben wir erfahren, dass haufenweise leere Pestizid-Container gefunden wurden - und das obwohl diese gratis abgeholt werden können“, beschrieb Martin Wildenberg von der Umweltorganisation. Im Bericht werden den Plantagenbetreibern „unfaire Handelspraktiken“ vorgeworfen: Natürliche Ressourcen würden durch die angewandten Praktiken langfristig geschädigt oder gar zerstört. Hartwig Kirner von Fairtrade appellierte daher an die Konsumenten, fair gehandelten Orangensaft zu kaufen, um damit lokale Initiativen zu unterstützen.

Jährlich werden durchschnittlich etwa elf Liter Orangensaft getrunken, somit ist das Getränk der beliebteste Fruchtsaft. Etwa 80% des in Europa konsumierten Orangensaftkonzentrats wird in Brasilien produziert, hauptsächlich in der Region Sao Paolo.


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