Johannes Twaroch legte Anekdoten-Buch über heimische Literaten vor

Mödling (APA) - „Anekdotenschatz. Lauter Literaten“ heißt das neue Buch von Johannes Twaroch, das Freitagabend in der „Sala Terrena“ im Stad...

Mödling (APA) - „Anekdotenschatz. Lauter Literaten“ heißt das neue Buch von Johannes Twaroch, das Freitagabend in der „Sala Terrena“ im Stadtamt Mödling vorgestellt worden ist. Zu hören war ein amüsanter Auszug aus seiner „Schatzkiste“ an skurrilen Erzählungen über „österreichische Schriftsteller von A bis Z“ - so der Untertitel des Buches - von Peter Altenberg bis Stefan Zweig.

Der Autor, einst langjähriger Leiter der Literaturabteilung des ORF-Landesstudios Niederösterreich, hielt sich bei der Präsentation im Hintergrund und überließ die Lesung dem Wiener Axel Steinsberg, Ensemblemitglied der Amateurgruppe „Theater in Heiligenstadt“. Fast jede Anekdote, die dieser zum Besten gab, sorgte bei den erschienenen Gäste für herzhafte Lacher.

Über den Kaffeehaus-Literaten Peter Altenberg erfuhr man, dass er ein ewiger Schnorrer gewesen sei, der nie eine eigene Wohnung besaß und sein Lebtag lang in Hotels wohnte. 1913 bezog er im Grabenhotel in der Wiener Dorotheergasse ein Zimmer, nicht ohne zuvor über den Preis zu feilschen. Verlangt wurden zehn Kronen, bei einer Woche Miete ermäßige sich der Preis auf acht, bei einem Monat auf sieben Kronen. Altenbergs Antwort: „Ich möchte das Zimmer ganz umsonst. Wie lange muss ich da bleiben?“

Über Franz Molnar weiß Twaroch folgendes G‘schichterl: Als Molnars Frau eine Bedienerin engagierte, bläute sie ihr ein, niemals das Arbeitszimmer des Hausherrn zu betreten, wenn er anwesend war. Einmal öffnete die Dienstbotin irrtümlich die Tür, rannte sofort zu Molnars Frau und sagte: „Gnä‘ Frau, was Ihnen ihr Mann erzählt, stimmt alles nicht. Der arbeitet ja gar nichts, der sitzt nur am Schreibtisch und schreibt.“

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Franz Werfel wird als Opernliebhaber beschrieben, dem es vor allem Verdi angetan hatte. Er habe seine Abende gern in Balkonlogen befreundeter Prager Millionäre verbracht, was diese weniger freute, weil Werfel die Angewohnheit hatte, alle Arien und Duette halblaut mitzusingen. Als er wieder einmal bat, Platz nehmen zu dürfen, fragte ihn die Logengastgeberin: „Was spielt man denn?“ Werfel antwortete: „Rigoletto“. „Dann kommen Sie nur. In ‚Rigoletto‘ haben wir Sie noch nie gehört.“

Als Carl Zuckmayer in Zürich mit Freunden ein elegantes Restaurant besuchte und auf einen Tisch zusteuerte, erklärte der Ober mit herablassender Stimme: „Pardon, die Herren. Dieser Tisch ist reserviert.“ Zuckmayers nicht weniger herablassende Reaktion: „Na gut. Stellen Sie ihn weg und bringen Sie einen anderen.“

Und von Kaffee-Vieltrinker Stefan Zweig berichtet Twaroch folgende Schmunzel-Szene: In einem Berliner Cafe stellte Zweig den bestellten Kaffee behutsam auf einen Stuhl neben sich ab. Auf die Frage des erstaunten Obers, was dies bedeuten solle, soll der Schriftsteller geantwortet haben: „Er (der Kaffee, Anm.) ist so schwach, dass er sich erst einmal ausruhen muss.“

(S E R V I C E - Johannes Twaroch: „Anekdotenschatz. Lauter Literaten. Österreichische Schriftsteller von A bis Z“, erschienen im Kral Verlag, Berndorf, 240 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Preis: 24.90 Euro; www.kral-verlag.at)


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