„Der Liebe Schlaf“ in Graz: Dornröschen bleibt ungeküsst

Graz (APA) - Ideenreich, aber emotional etwas unterkühlt gestaltete der neue Ballettchef der Grazer Oper, Jörg Weinöhl, seine erste Premiere...

Graz (APA) - Ideenreich, aber emotional etwas unterkühlt gestaltete der neue Ballettchef der Grazer Oper, Jörg Weinöhl, seine erste Premiere am Samstag. „Der Liebe Schlaf“ interpretiert die Geschichte von Dornröschen zu Barockmusik. Dazu gab es unterschiedliche Tanzstile von klassisch bis modern zu sehen, wobei das großteils neue Ensemble erfreulich präzise und vielversprechend agierte.

Ein Wecker läutet, der Prinz kommt im blauen Anzug und mit Glitzerhaarreif, dann fasst er das süß zu seinen Füßen schlummernde Mädchen am Arm und das war‘s. Überbordende Romantik kann man Jörg Weinöhl wirklich nicht vorwerfen, er nimmt das Märchen von Dornröschen eher weiter gefasst, es wird zum Sinnbild für Entwicklung, Ausloten der negativen und positiven Kräfte, und lässt Platz für abstrakten Tanz. Das Besondere an der Produktion ist, dass sich die rund 300 Besucher ebenso wie die Tänzer auf der Bühne befinden. Dadurch wird der prächtige Zuschauerraum zur Kulisse eines verwunschenen Schlosses, ganz besonders, wenn zu Beginn noch die Schonbezüge auf den Sitzen liegen.

Getanzt wird auch die kurze Vorgeschichte von Königin und König, die zunächst kein Kind haben, bis ihnen ein Krebs Nachwuchs ankündigt. Die Wasserszene ist sehr gelungen, die Bewegungen sind originell. Bei den Feen gibt es keine mit finsteren Absichten wie im Märchen, sie wurde zur „Fee des Unbekannten“ (Miki Wakabayashi). Sie macht aber denselben Ärger wie die Kollegin in der ursprünglichen Geschichte, sodass die „Fee der Liebe“ (Dylan Hoskins) wieder alles glattbügeln muss. Wenn die beiden im Tanz ihre Kräfte miteinander messen kommt jene Spannung auf, die man mitunter vermisste. Das Publikum zeigte sich auch vom humorvollen Tanz der Köche angetan.

Mit jugendlichem Strahlen überzeugte Bruna Diniz Afonso als Dornröschen, ihr schüchtern-zurückhaltender Prinz mit Brille wurde von Simon Van Heddegem hervorragend verkörpert. Profilierte Figuren waren das Königspaar (Lorena Sabena, Joao Pedro de Paula), Eleganz verströmte Dianne Gray als Fee des Schlafes. Weichfließende Seide in Blau-, Grün und Cremetönen sowie hautfarbene Trikots passten zur gedämpften Musik und dem schlichten Ambiente (beides von Saskia Rettig). Das Orchester leitete Robin Engelen mit viel Gefühl, wodurch auch die Gesangspassagen von Sieglinde Feldhofer und Martin Fournier zur Geltung kommen konnten.

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(S E R V I C E - „Der Liebe Schlaf - ein Dornröschen-Ballett“ von Jörg Weinöhl in der Grazer Oper. Dirigent: Robin Engelen, Bühne und Kostüme: Saskia Rettig. Es singen: Sieglinde Feldhofer, Martin Fournier. Es tanzen: Alberto Cissello, Joao Pedro de Paula, Bruna Diniz Afonso, Barbara Flora, Dianne Gray, Emily Grieshaber, Arthur Haas, Dylan Hoskins, Astrid Julen, Frederico Oliveira, Clara Pascual Marti, Eleonora Pennacchini, Lorena Sabena, Fabio Toraldo, Simon Van Heddegem, Miki Wakabayashi. Nächste Vorstellungen: 16. und 21.10, 26., 28. und 29.11.2015; http://www.oper-graz.com)


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