Deutsche Institutschefs: Wer den Wirtschaftsnobelpreis verdient hätte

Stockholm (APA/dpa) - Der Franzose Jean Tirole ist im vergangenen Jahr geradezu eine Ausnahme gewesen - denn zumeist ist der Nobelpreis für ...

Stockholm (APA/dpa) - Der Franzose Jean Tirole ist im vergangenen Jahr geradezu eine Ausnahme gewesen - denn zumeist ist der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an einen US-Forscher gegangen. Am Montag wird der diesjährige Preisträger bekannt gegeben. Und auch 2015 sind wieder mehrere Amerikaner unter den Kandidaten - der deutsche Wirtschaftsforscher Clemens Fuest favorisiert hingegen einen Briten.

„Ich würde mir wünschen, dass Anthony Atkinson (Oxford) den Nobelpreis bekommt“, sagte Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. „Er hat sich in seiner Forschung mit der Frage beschäftigt, wie die Verteilung von Einkommen und Vermögen sich entwickelt und wie der Staat das Steuer- und Abgabensystem gestalten sollte. Er hat bahnbrechende Arbeiten zur optimalen Besteuerung und zur Messung von Ungleichheit veröffentlicht“, begründete Fuest seine Wahl.

In Berlin drückt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zwei Amerikanern die Daumen: „Meine Empfehlung sind Maurice Obstfeld und Ken Rogoff für ihre Arbeit zur Entwicklung der internationalen Makroökonomie, die zeigt, wie groß die gegenseitige Abhängigkeit von Ländern in der heutigen globalen Welt ist und wie wenig nationale wirtschaftspolitische Autonomie Länder noch haben.“

Rogoff ist Professor in Harvard, Obstfeld in Berkeley und zugleich Chefvolkswirt beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Preiswürdig seien auch „Obstfelds Arbeit zu Währungskrisen und Ken Rogoffs Arbeit zu Zentralbanken und mit welchem Mandat diese ausgestattet werden sollten, um unabhängig agieren zu können“, meinte Fuest. Dies sei „hoch aktuell für den Streit in Deutschland um die Politik der EZB“.

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